Venezuela / Wirtschaft

Venezuela tilgt alle Schuldenraten dieses Jahres

Regierung dementiert damit Gerüchte über Zahlungsunfähigkeit. Verschuldung des Landes liegt bei 26 Prozent des Bruttoinlandsproduktes

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Finanzminister Nelson Merentes
Finanzminister Nelson Merentes

Caracas. Venezuela hat vor wenigen Tagen alle ausstehenden Raten seiner Auslandschulden für das laufende Jahr gezahlt und damit in letzter Zeit kursierende Gerüchte über Liquiditätsprobleme

des Landes entkräftet. Finanzminister Nelson Merentes unterstrich anlässlich der Spekulationen über die Zahlungsfähigkeit des Landes, dass der Staatshaushalt trotz einiger Probleme solvent und die Zahlung der Schuldenraten ohne Verzögerungen angewiesen worden seien.

Die Zentralbank von Venezuela (BCV) legte offen, dass die externen Schulden im zweiten Quartal 2013 bei rund 112 Milliarden US-Dollar lagen, von denen rund 98 Milliarden auf die öffentliche Hand entfielen.

Der sozialistische Parlamentsabgeordnete Ramon Lobo von der regierenden PSUV konkretisierte, die Auslandsverschuldung des Landes betrüge 57 Prozent der Gesamtverschuldung des Jahres 2012. Die Inlandsverschuldung trägt demnach einen Anteil von 43 Prozent. Im Jahr 1999 vor dem Amtsantritt des sozialistischen Präsidenten Hugo Chávez habe der Anteil der Auslandsschulden etwa 79 Prozent betragen, hob Lobo hervor. Um dies zu vermeiden, gebe die Regierung verstärkt Staatsanleihen auf dem heimischen Markt aus.

Die Gesamtschulden des Landes entsprechen laut Lobo zur Zeit 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine Staatsverschuldung von bis zu 60 Prozent sei laut Experten akzeptabel, fügte er an. Dies entspricht tatsächlich auch den Maastricht-Kriterien der Europäischen Währungsunion. Ein Vergleich mit den Staaten der Europäischen Union zeigt: Die Staatsverschuldung der EU-Staaten lag im ersten Quartal im Durchschnitt bei knapp 88 Prozent des BIP, in Deutschland liegt sie bei 81,2 Prozent. Die venezolanische Währung, der Bolívar, ist jedoch im Vergleich zum Euro wesentlich instabiler. Eine künftig nicht unwahrscheinliche Abwertung der venezolanischen Währung könnte die Staatsverschuldung schnell erhöhen.

Die nächste Auslandsschuldenrate ist im Oktober 2014 fällig. Die konstanten Einnahmen aus dem Erdölexport sind bislang ein Garant für hohe Staatseinnahmen einerseits und die regelmäßigen Schuldenzahlungen andererseits. Finanzminister Merentes dementierte Gerüchte, denen zufolge er mit dem Internationalen Währungsfonds erneut über Teile der Auslandsschulden Venezuelas habe verhandeln wollen.

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