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15.01.2014 Chile / Politik / Soziales / Wirtschaft

Streikwelle der Hafenarbeiter in Chile

Hafenarbeiter streiken solidarisch in ganz Chile. Landwirtschaftsminister Luis Mayol bezeichnet die Streiks als ungerechtfertigt und illegal
Mindestens elf Schiffe sollen in San Antonio momentan auf ihre Be- und Entladung warten

Mindestens elf Schiffe sollen in San Antonio momentan auf ihre Be- und Entladung warten

Quelle: Matt Hintsa http://www.flickr.com/photos/matt_hintsa/2963708574/sizes/z/in/photolist-5vTMiG-5Dned4-5Dnepi-5Dnet2-5DnevZ-5Drx3o-5Drx8j-5DrR2Y-6dhANM-6dmAfJ-6icXji-6t6XJf-6JDkAy-6XMn6p-7uJESw-863szC-dSJcbv-9WexMt-8tJ1J1-8tEYoi-84kxYq-9WexE6-8cMh9W-drPBig-7X78VK-9AonsA-9Aooo5-9AooBo/
Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

Santiago de Chile. In Chile hat sich der Streik der Hafenarbeiter auf zwölf Häfen ausgeweitet. Im gesamten Land bestreiken  Arbeiter Häfen, um sich mit ihren Kollegen im Kupferhafen Angamos in Nordchile zu solidarisieren. Dort kampieren seit über zwei Wochen 80 Arbeiter vor den Toren des Hafens, nachdem Lohnverhandlungen mit der Betreiberfirma Ultraport gescheitert sind. Die Gewerkschaft hatte gefordert, dass auch Leiharbeiter in die Tarifverhandlungen eingeschlossen werden. Angamos ist einer der wichtigsten Häfen für den Export chilenischen Kupfers. Der staatliche Kupferhersteller Codelco hatte am Mittwoch verkündet, dass der Streik bisher Gewinneinbrüche von 130 Millionen US-Dollar verursacht habe.

Am Freitag, den 3. Januar weitete sich der Streik auf den Hafen San Antonio im Zentrum Chiles aus. Dort wird bereits zum zweiten Mal in einem Jahr die Arbeit nieder gelegt. Die Arbeiter von San Antonio verlangen rückwirkend Zahlungen für Essenszuschüsse von 2005 bis 2013. Diese waren ihnen nach dem ersten Streik im April vergangenen Jahres vom Arbeitsministerium zugesichert worden. Mindestens elf Schiffe sollen in San Antonio momentan auf ihre Be- und Entladung warten. San Antonio ist ein wichtiger Hafen für Chiles Fruchtexporte. Ronald Boewn, Präsident der Assoziation Chilenischer Fruchtexporteure, verkündete gegenüber der lokalen Presse, der Streik könnte Gewinneinbußen von wöchentlich 50 Millionen US-Dollar bringen.

In anderen Häfen Chiles solidarisierten sich die Arbeiter mit den Kollegen in Angamos und San Antonio. Am Dienstag wurde in den nördlichen Häfen Iquique, Antofagasta, Huasco, Caldera und Chañaral gestreikt. Am Mittwoch setzte sich die Streikwelle in San Vicente, Talcahuano, Coronel und Penco im Süden Chiles fort.

Richard Orellana, Präsident der Gewerkschaft der Hafenarbeiter von Angamos, berichtet von Zusammenstößen zwischen Protestierenden und Polizisten am vergangenen Mittwoch. "Die Situation ist angespannt gewesen, da wir von Polizisten belagert waren. Sie haben niemanden zu unserem Camp ein- oder ausgehen lassen.“ Orellana berichtet weiter, dass die Betreiberfirma Ultraport streikenden Arbeitern Nachrichten geschickt und ihnen mit der Entlassung gedroht habe.

Während Chiles Innenminister Andrés Chadwick Piñera und Präsident Sebastián Piñera unisono beteuern, dass die Arbeitsverweigerungen keine Staatsangelegenheit wären und mit den privaten Betreiberfirmen ausgehandelt werde müssen, verurteilt der Landwirtschaftsminister Luis Mayol die Streiks als ungerechtfertigt und illegal.

Am Freitag trafen sich Vertreter der Hafengewerkschaft der südlichen Region im Regierungspalast mit dem Arbeitsminister. Es wurde eine Agenda für Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Betreiber ausgehandelt, denen die Regierung als Bürge beiwohnt. Die Gewerkschaft des Fruchthafens San Antonio nahm an der Sitzung nicht teil. Sie richtet sich mit ihrem Streik weniger gegen die Betreiberfirma, als vielmehr gegen die Regierung.

Über den Kupferhafen Angamos gibt es seit Mittwoch widersprüchliche Berichte. Während die Betreiberfirma Ultraport behauptet, 110 Arbeiter hätten ihre Arbeit wieder aufgenommen und 160 Arbeiter hätten das Angebot Ultraports angenommen, betont die Gewerkschaft, dass die Proteste fortgesetzt werden.

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