Venezuela / Politik

Drei Tote bei Demonstrationen in Venezuela - Präsident warnt vor Putschversuch

Unbekannte erschießen zwei Anhänger der Opposition und einen Regierungsanhänger. Präsident sieht Putsch im Gange. Zahlreiche Festnahmen

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Demonstranten und Polizisten in Caracas
Demonstranten und Polizisten in Caracas

Caracas. Bei Demonstrationen von Opposition und Regierungsanhängern in Venezuela sind am Mittwoch mindestens drei Menschen getötet worden. Die Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Díaz informierte am Nachmittag, dass zwei Menschen durch Schüsse in Kopf und Brust getöten worden seien. Dabei handelte es sich um einen Teilnehmer der Demonstration der Opposition und ein Mitglied einer linken Gruppierung aus dem Stadtteil 23 de Enero.

Es sei zu Auseinandersetzung zwischen den Gruppen gekommen, woraufhin Schüsse gefallen seien. Dabei starben der 24-jährige Student Bassil Alejandro Dacosta Frías und der 40-jährige Ex-Polizist Juan Montoya. Am Abend informierte der Bürgermeister des wohlhabenden Stadtteils Chacao, Ramón Muchacho, dass ein weiterer Demonstrant getötet wurde. In Laufe des Tages wurden Medienberichten zufolge außerdem 30 Menschen verletzt und über 70 festgenommen.

Der genaue Ablauf der Situation ist noch unklar. Die Tageszeitung Últimas Noticias berichtet unter Berufung auf Polizeikreise, dass möglicherweise Scharfschützen auf einem nahegelegenen Haus für den Tod der beiden Personen verantwortlich sind.

Angesichts der Eskalation warnte der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, vor einem Putsch. Die Vorgänge hätten "dieselben Charakteristika" wie beim Staatsstreich 2002, sagte Maduro in einer Fernsehansprache. Damals hatten Scharfschützen auf Demonstranten der Opposition und Regierungsanhänger geschossen und dann die Bilder von den Toten verwendet, um der Regierung Repression vorzuwerfen und ein Aufbegehren eines Teils der Streitkräfte zu provozieren.

"Wir sehen uns einem Staatsstreich gegenüber, der sich gegen die Demokratie und die Regierung richtet, der ich vorstehe", sagte der Präsident. Eine "faschistische Gruppe" nutze die demokratischen Freiheiten mit dem Ziel, "die Regierung zu stürzen".

Bereits am Dienstagabend war im staatlichen Fernsehsender VTV eine Audio-Aufnahme eines Telefongesprächs zwischen dem Vizeadmiral im Ruhestand Iván Carratú Molina und dem Ex-Botschafter Venezuelas in Kolumbien, Fernando Gerbasi, veröffentlicht worden. Darin unterhalten sie sich über die aktuelle Situation und vergleichen diese ebenfalls mit 2002. Die Staatsanwalt stellte daraufhin einen Haftbefehl gegen die beiden aus. Sie sollten "aussagen, warum sie wussten, dass es Tote geben würde".

Die Proteste der Opposition richten sich vor allem gegen die angespannte wirtschaftliche Lage in Venezuela und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung. Bereits seit über einer Woche ist es in verschiedenen Teilen zu Protesten gekommen. In den westlichen Bundesstaaten Mérida und Táchira war es zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Während die Demonstrantion am Mittwoch in Caracas zunächst friedlich blieb, kam es am Rande zu Angriffen auf Gebäude und Auseinandersetzungen mit der Polizei. In verschiedenen Teilen der Stadt, abseits der eigentlichen Demonstrantion, sollen Straßen mit brennenden Autoreifen blockiert worden sein.

Die Regierungsanhänger hatten hingegen anlässlich des "Tags der Jugend" ihre Unterstützung für Präsident Maduro demonstriert und den zweihundertsten Jahrestag der "Schlacht des Sieges" (Batalla de la Victoria) gefeiert.

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