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Industrieverband São Paulo an Militärputsch 1964 beteiligt

Sitz der Fiesp in São Paulo

Sitz der Fiesp in São Paulo

São Paulo. Neue Archivfunde belegen, dass der Industrieverband von São Paulo (Fiesp) maßgeblich an Vorbereitungen des Militärputsches im Jahr 1964 und der Versorgung der brasilianischen Armee mit Fahrzeugen und Logistik beteiligt war. Laut Recherchen der brasilianischen Tageszeitung Folha de São Paulo stammen die Unterlagen aus dem Archiv der bedeutendsten Militärakademie des Landes, der Escola Superior de Guerra (ESG). Sie untermauern, dass der Wirtschaftsverband Fiesp und ihm nahestehende Unternehmer massiv an den Vorbereitungen des Staatsstreichs von 1964 beteiligt waren.

Die gesichteten Dokumente seien Niederschriften von Vorträgen, Konferenzen sowie einzelnen Aufsätzen, die zu Beginn der 1970er Jahre von Industriellen und Unternehmervertretern in der Zentrale der Militärakademie in Rio de Janeiro gehalten wurden. Die Dokumente belegten, wie die Fiesp "mit Blick auf den Staatsstreich von 1964 diesen in seiner Vorbereitung logistisch unterstützt" habe, schreibt Folha de São Paulo. An anderer Stelle zeigten die Archivunterlagen, wie ein Vertreter des Industrieverbandes gegenüber den Militärs damit geprahlt habe, dass die Fiesp und ihre Mitglieder die Streitkräfte mit "Fahrzeugen, Autozylindern, Autobatterien, Medikamenten, LKWs und unendlich vielen Ersatzteilen sowie Ausrüstungen" ausgestattet hätten. Laut Folha entspricht dieser Wert heute etwa fünf Millionen Reais (circa 1,63 Millionen Euro).

Die Vorwürfe wollte die Fiesp gegenüber der Presse nicht kommentieren. Der Verband verwies darauf, dass keiner seiner aktuellen Vorsitzenden damals tätig gewesen war.

Bereits im Februar 2014 hatte die Wahrheitskommission, die mit der Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur in Brasilien beauftragt ist, einige Verstrickungen von Industrie und Militärs öffentlich gemacht. Dabei war bekannt geworden, dass bedeutende Konzerne unter Führung der Fiesp im Jahr 1964 den Militärs sowie zivilen Unterstützern des Putsches Gelder hatten zukommen lassen und am Aufbau eines militärisch-industriellen Komplexes mitgewirkt hatten. Neben den Autoherstellern Volkswagen do Brasil, Scania und Ford steht auch die Tageszeitung Folha de São Paulo auf der Liste der Unterstützer.

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20.05.2014 Nachricht von Mario Schenk