Venezuela / Medien

Pressekampagne gegen Linksregierung in Venezuela

In Lateinamerika koordinieren große Verlage eine gemeinsame Kampagne gegen die Staatsführung von Präsident Nicolás Maduro

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Titelbild zum Start der Kampagne "Wir alle sind Venezuela"
Titelbild zum Start der Kampagne "Wir alle sind Venezuela"

Caracas. In Lateinamerika haben sich 80 Zeitungen und Verlage zu einer Kampagne gegen die sozialistische Regierung von Nicolás Maduro

in Venezuela verabredet. Dies berichtet das argentinische Fernsehprogramm Visión 7 Internacional. Unter dem Titel "Wir alle sind Venezuela" informieren die größten Print-Produktionen der privaten Medien koordiniert über die "Krise in Venezuela". Im Rahmen der bereits im März gestarteten Kampagne, an der sich auch die drei wichtigsten Verlegerverbände des Kontinents beteiligen, wird täglich eine Sonderseite über Venezuela publiziert.

Die Medienhäuser begründen den ungewöhnlichen Schritt, durch inhaltliche Absprachen politisch Einfluss zu nehmen und dies auch öffentlich bekannt zu geben, mit der angeblichen Bedrohung der Meinungsfreiheit. "Die lateinamerikanische Presse kann nicht passiv bleiben angesichts der Belästigungen aller Art, denen sich venezolanische Zeitungen, die letzte Bastion der freien Meinungsäußerung in diesem Land, weiterhin ausgesetzt sehen", heißt es in einer Pressemitteilung der Kampagne.

Den Anstoß zur Gründung der Initiative übernahm der kolumbianische Verlegerverband Andiarios. Nora Sanín, die Direktorin des Verbandes, dementierte, dass der Kampagne auch wirtschaftliche Interessen zugrunde liegen. "Wir handeln ruhigen Gewissens, weil wir die Berufsgruppe vertreten, nicht die wirtschaftlichen Interessen der Medienkonsortien, sondern den Journalisten, der das Gefühl hat, dass er sich nicht frei äußern kann." Gegenüber der unabhängigen Wochenzeitung Semana, welche sich nicht an der Kampagne beteiligt, räumte sie jedoch ein, damit "in einem allgemeinen Sinn" auch Politik zu betreiben.

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Der amerika21-Kolumnist Ignacio Ramonet betrachtet diese Form, zwischen Medienunternehmen inhaltliche Konsonanz herzustellen, als Teil eines Putschplanes gegen die venezolanische Regierung. "Die modernen Putsche finden nicht mehr mit Panzern statt", so Ramonet, "auf keinem anderen Kontinent findet ein derartiger Medienkrieg statt wie in Lateinamerika: frontal". Eine weitere Besonderheit sei die internationale Absprache über Ländergrenzen hinweg. Der Direktor der spanischsprachigen Ausgabe der Wochenzeitung Le Monde diplomatique sieht einen Grund für die kriegerische Parteinahme der privaten Medien auch in der Medienpolitik der neuen Linksregierungen. Sie hätten erstmals öffentliche Medien ausgebaut und damit eine mögliche Alternative zu den traditionellen Programmen des privaten Branchensegments geschaffen.

An der Kampagne ist auch die Tiempo-Gruppe beteiligt, welche sich im Besitz der Familie des kolumbianischen Präsidenten Manuel Santos befindet. In Kolumbien und anderen konservativ regierten Ländern des Kontinents wie etwa Honduras und Mexiko werden die meisten Verbrechen gegen Journalisten verübt. Insgesamt tragen die Aktion 18 Medienunternehmen aus elf Ländern in Lateinamerika.

In Brasilien und Chile sind etwa die größten Tageszeitungen, O Globo und El Mercurio, Bestandteil der publizistischen Offensive. Beide Zeitungen pflegten ein äußerst enges Verhältnis zu den dortigen Militärdiktaturen. El Mercurio beteiligte sich aktiv daran, den Putsch gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende im Jahr 1973 vorzubereiten und wurde dafür von der CIA finanziert. Der Besitzer von O Globo, Roberto Marinho, war persönlich in politische Entscheidungen der Militärregierung einbezogen. Beide Unternehmen profitierten wirtschaftlich sehr stark von den Diktaturen, unter denen sie in ihren Ländern jeweils eine Monopolstellung erlangten.

Die venezolanische Presse leidet bereits seit Anfang der 1990er Jahre an großen wirtschaftlichen Problemen. Die Zahl der landesweit erscheinenden Zeitungen hat sich seitdem halbiert. Besonders nach dem versuchten Putsch gegen die Regierung von Hugo Chávez im April 2002, als die privaten Medien die Putschisten mit ihrer Berichterstattung unterstützten, erlitten die großen Tageszeitungen starke Rückgänge der verkauften Exemplare. Die Herausgeber der beiden wichtigsten venezolanischen Zeitungen El Nacional und El Universal suchten deshalb bereits im Februar 2010 bei der US-Botschaft in Caracas um finanzielle Unterstützung durch das Außenministerium der USA nach.

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