Mexiko / Menschenrechte

Mexiko verstärkt Maßnahmen gegen Migranten

Einsatzkräfte unterbinden die Fahrt mit dem Güterzug auf dem Weg in die Vereinigten Staaten. 6.000 Migranten aufgehalten, weiteres Vorgehen unklar

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Gefährliche Reise: Tausende Migranten nutzen "La Bestia" auf dem Weg in die USA
Gefährliche Reise: Tausende Migranten nutzen "La Bestia" auf dem Weg in die USA

Mexiko-Stadt. Die mexikanischen Behörden haben allein in den vergangenen Tagen etwa 6.000 Migranten aus dem eigenen Land und aus Zentralamerika daran gehindert, den "La Bestia" (Die Bestie) genannten Güterzug, der Mexiko von Süden nach Norden durchquert, für ihren Weg in die USA zu nutzen. 

Nach Aussagen von Nichtregierungsorganisationen vor Ort sind entlang der Bahnstrecke massive Kontingente von Angehörigen der Armee zusammengezogen worden. Darüber hinaus wurde die Geschwindigkeit des Zuges heraufgesetzt, um Migranten ein Aufsteigen während der Fahrt zu erschweren.

Die jüngsten Maßnahmen sind eine Folge des koordinierten Vorgehens der Regierungen von Mexiko, Guatemala und den USA im Rahmen des Abkommens Programa Integral Frontera Sur (Ganzheitliches Programm für die Südgrenze), mit dem das sicherheitspolitische Vorgehen der drei Staaten bei der frühzeitigen Unterbindung von Migrationsbewegungen verschärft wird.

Ziel der mexikanischen Regierung ist es, die extreme Zunahme des Transits über ihr Territorium zur Einwanderung in die USA zu stoppen. Der Güterzug, der tausende von Kilometern durch Mexiko fährt, wird von den Migranten immer wieder als Transportmittel benutzt, um bis zur Grenze der USA zu gelangen. "Es wird nicht weiter zugelassen, dass weiterhin Migranten auf irgendeine Weise auf den Zug aufsteigen", erklärte nun Humberto Mayans, Bundeskoordinator des Ministeriums für Migration, in einem Radiointerview.

Seinen Namen, "La Bestia", bekam der Zug, weil bei zahlreichen Unfällen viele Migranten schwer verletzt wurden oder sogar ums Leben kamen. Von den Hunderten Zentralamerikanern, die täglich Mexiko durchqueren, werden viele von kriminellen Banden überfallen, beraubt, misshandelt und vergewaltigt. Auch von der mexikanischen Polizei werden sie häufig erpresst oder von Mitarbeitern des mexikanischen Ministeriums für Migration an die Drogenkartelle ausgeliefert. Diese verlangen dann von deren Familienangehörigen in den USA hohe Lösegelder. Geiseln, deren Familien nicht bezahlen, werden ermordet. So hatten im Jahr 2010  Mitglieder des Drogenkartells Los Zetas im Bundesstaat Tamaulipas 72 Migranten hingerichtet. Die Verantwortlichen für diese Morde wurden bis heute nicht vor Gericht gestellt.

Menschenrechtsgruppen fordern, dass die mexikanische Regierung die Rechte der Migranten respektiert und deren Leben und Gesundheit schützt. Migranten sollten das Recht auf ein Transitvisum erhalten, um auf normalen Wegen sicher bis zur US-Grenze reisen zu können. Vertreter der katholischen Kirche wie Bischof Raúl Vera im Bundesstaat Coahuila, Pater Solalinde in Oaxaca oder Fray Tomás in Tabasco bieten, zusammen mit Nichtregierungsorganisationen, Unterkunft und Hilfe für Migranten an.

Felipe Arizmendi, Bischof von Chiapas, übte kürzlich heftige Kritik an dem neuen  Programm der mexikanischen Regierung. Die Regelungen gefährdeten die Migranten noch stärken. Denn diese würden nun noch riskantere Wege nutzen, um bis zur US-Grenze zu kommen. Die Jagd auf die Bahnflüchtlinge sei keine Lösung, denn "solange sie nicht Arbeit, Frieden und Sicherheit in ihren Länder finden, werden sie weiter auswandern".

Die zuständigen Behörden haben bislang nicht darüber informiert, wie mit den 6.000 Migranten, die zuletzt von den Einsatzkräften am Besteigen des Zuges gehindert wurden, weiter verfahren werden soll.

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