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07.11.2014 Chile / Politik

Chile züchtet Cannabis zu medizinischen Zwecken

Bürgermeister Rodolfo Carter (rechts) und Mitarbeiter der Daya-Stiftung bei der Einweihung der Cannabis-Plantage

Bürgermeister Rodolfo Carter (rechts) und Mitarbeiter der Daya-Stiftung bei der Einweihung der Cannabis-Plantage

Quelle: laflorida.cl

Santiago. Die Behörden in Chile haben eine Sondererlaubnis für den Anbau von 425 Hanfpflanzen zu medizinischen Zwecken vergeben. Die Samen wurden vergangene Woche im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Gemeinde La Florida im Süden Santiagos gesät. Ab Mai kommenden Jahres sollen mithilfe des extrahierten Hanföls 200 Krebspatienten behandelt werden, die unter chronischen Schmerzen leiden.

Das Pilotprojekt wurde von Rodolfo Carter, dem Bürgermeister der Gemeinde La Florida und der Daya-Stiftung initiiert, die sich für die medizinische Nutzung der Marihuanapflanze engagiert. “Dies ist die erste autorisierte medizinische Züchtung in Lateinamerika. Mit der Linderung der Schmerzen vieler Leidender schreiben wir Geschichte“, so Ana María Gazmuri, Präsidentin der Daya-Stiftung.

Die Genehmigung reiht sich in Vorstöße einiger lateinamerikanischer Regierungen ein, die einen flexibleren und progressiveren Umgang mit Marihuana fordern und die repressive Drogenpolitik lockern wollen. So plant die Regierung von Präsidentin Michelle Bachelet, Marihuana von der Liste der harten Drogen zu streichen und somit sowohl die Strafen gegen Konsumenten zu reduzieren, als auch den Anbau für medizinische Forschung sowie therapeutische Nutzung zu ermöglichen. Entsprechend dieses Vorhabens hat die Regierung eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, die Modifizierung des Drogengesetzes zu prüfen. Zudem wird im Abgeordnetenhaus ein Gesetz diskutiert, welches den Eigenanbau sowie die medizinische Nutzung von Marihuana legalisieren soll.

Trotz dieser Vorstöße ist das südamerikanische Land von einer Legalisierung von Marihuana jedoch noch weit entfernt. Die offizielle Sondergenehmigung für die Kultivierung der Hanfpflanzen hatte in Chile eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst und unter anderem dazu geführt, dass der konservative Bürgermeister La Floridas, Rodolfo Carter, aus seiner Partei Demokratische Unabhängige Union (Unión Demócrata Independiente) austrat, weil die rechtskonservative Partei jeglichen Legalisierungsbestrebungen entgegensteht. Die Initiative war jedoch auch auf Widerstand innerhalb der Regierungskoalition Neue Mehrheit (Nueva Mayoría) gestoßen.

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