Venezuela schafft "Volksräte für Versorgung"

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Verkauf von staatlich suventionierten Lebensmitteln unter freiem Himmel in Caracas
Verkauf von staatlich suventionierten Lebensmitteln unter freiem Himmel in Caracas

Caracas. In Venezuela sind in den vergangenen Wochen 3.815 sogenannte Volksräte für Versorgung und Produktion (Consejos Populares de Abastecimiento y Producción) aufgebaut worden. Das gab der Vizepräsident für Nahrungsmittelsicherheit und -souveränität, Carlos Osorio, am Samstag bekannt. Diese Basisstrukturen sollen dazu beitragen, dass die Verteilung von Lebensmitteln durch die dafür zuständigen staatlichen Zentren "transparent und effektiv" funktioniere. Sie überprüften und kontrollierten alle notwendigen Details, damit angemessene Lösungen sowohl für das Niveau der Versorgung wie auch für die Infrastruktur gefunden werden, führte er aus.

Osorio, der auch Ernährungsminister ist, kündigte für diese Woche die Bildung weiterer Räte im ganzen Land an, um sicherzustellen, dass alle Bereiche der Produktion, der Verteilung und Vermarktung von Nahrungsmitteln wieder normal funktionierten. Die Privatunternehmer rief er erneut zur Kooperation auf. Trotz der Bemühungen der Regierung um einen Dialog erzeugten diese nach wie vor bewusst Mängel bei der Versorgung der Bevölkerung mit Grundbedarfsgütern, so der Minister.

Venezuela ist seit Anfang 2014 mit Problemen bei der Versorgung mit manchen Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs konfrontiert. Viele Zwischenhändler horten Produkte oder verkaufen sie zu überhöhten Preisen auf dem Schwarzmarkt. Nach Schätzungen der Regierung werden außerdem bis zu 40 Prozent der Lebensmittel, die für den venezolanischen Markt bestimmt sind, nach Kolumbien geschmuggelt und dort teurer verkauft.

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Die Regierung geht seitdem verstärkt gegen Vertriebsfirmen und Einzelhandelsketten vor, denen sie vorwirft, gezielt Waren zurückzuhalten, Warteschlagen zu provozieren und Unruhe in der Bevölkerung zu schüren. Mehrere Manager von Supermarkt-, Drogerie- und Apothekenketten wurden festgenommen. Immer wieder werden Tonnen gehorteter Güter beschlagnahmt, die dann über die staatlichen Verteilerketten wie PDVAL, Mercal und Abasto Bicentenario der Bevölkerung zukommen.

Aber auch gegen Schiebereien und Korruption bei diesen staatlichen Zentren und Supermärkten musste die Regierung bereits mehrfach vorgehen. Erst Ende April wurden nach Beschwerden aus der Bevölkerung vor Ort die Leiter von drei Abasto-Bicentenario-Supermarktfilialen in Puerto La Cruz im Bundesstaat Anzoátegui verhaftet. Sie hatten die Produkte auf dem Schwarzmarkt verkauft und die Läden mit der Begründung geschlossen, es fehle an Waren, Infrastruktur und Personal. Die ihnen zugeteilten Millionengelder zur Behebung der angegebenen Mängel hatten sie veruntreut.

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