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Venezuela beklagt Rolle von Exxon bei Streit mit Guyana

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Präsident Maduro zeigt während des Gesprächs mit Telesur eine Karte des umstrittenen Gebietes
Präsident Maduro zeigt während des Gesprächs mit Telesur eine Karte des umstrittenen Gebietes

Caracas. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat seine Botschafterin in Guyana zu Konsultationen zurückbeordert, um nach der Verschärfung des Territorialstreits um die Region Esequibo die diplomatischen Beziehungen zu dem Nachbarland zu überprüfen. Eine Maßnahme soll die Reduzierung des Personals der venezolanischen Botschaft in Georgetown sein.

Die seit sieben Jahrzehnten völkerrechtlich ungeklärte, aber in der Vermittlung der UN ruhende Grenzfrage um die zwischen Venezuela und Guyana liegende Region mit ihren etwa 160.000 Quadratkilometern Fläche, ist unlängst neu aufgebrochen. Grund ist die Vergabe von Konzessionen an den US-amerikanischen Öl-Multi Exxon zur Exploration von Erdölvorkommen im Meeresgebiet von Esequibo durch die neue Regierung von Guyana im April. Venezuela berief sich daraufhin auf das Genfer Abkommen von 1966, wonach die Ausbeutung der Ressourcen vor einer einvernehmlichen Klärung der Territorialfrage eine Verletzung des Abkommens sei.

Die neue diplomatische Verschärfung folgte, nachdem die Delegation von Guyana auf dem jährlichen Gipfeltreffen der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) um Unterstützung für die Position ihrer Regierung ersuchte und diese auch erhielt.

Guyanas Präsident David Granger hat die Entscheidung seines Amtskollegen Maduro, die diplomatischen Beziehungen zu überprüfen, verurteilt. Dies würde die Spannungen verschärfen und die, laut Granger, "kärglichen" Beziehungen zwischen Venezuela und Caricom belasten. Maduro habe auf die Unterstützung durch Caricom für die Seite Guyanas im Konflikt reagiert. Venezuelas Regierung sei "in der Region zunehmend isoliert", so Granger, Guyana hingegen im Recht und "Opfer einer Aggression".

Venezuelas Präsident klagte in den vergangenen Tagen wiederholt den Ölkonzern Exxon an, den Zwist zwischen den karibischen Nachbarländern verursacht zu haben. Exxon habe sich bereits bei der Wahl des neuen Präsidenten von Guyana engagiert. Granger würde seit seiner Präsidentschaft "harte" Erklärungen gegen Venezuela abgeben und sei zur "Geisel" des Multis geworden. Exxon nutze seinen großen Einfluss beim Pentagon und finanziere eine Kampagne gegen Venezuela, so Maduro in einem Interview mit dem lateinamerikanischen Fernsehsender Telesur und bei weiteren Gelegenheiten.

Erneut bestand Maduro auf einer Vermittlung der Vereinten Nationen, die der Garant der Vereinbarung von 1966 ist. Venezuela hat indes zur Frage von Esequibo eine Kommission "auf hoher staatlicher Ebene" eingesetzt, um eine Zusammenkunft zwischen Venezuela und Guyana im Rahmen der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) zu erreichen. "Unser Ziel ist der Frieden in unserem Land, unser Sieg ist der regionale Frieden, die regionale und nationale Einheit", betonte Venezuelas Präsident.

Indes wurde berichtet, dass Venezuela die Importe von Reis aus Guayana eingestellt hat. Das gab Guayanas Finanzminister Winston Jordan Ende der Woche bekannt. Für den Importstopp wurden nach keine Gründe genannt, es liegt jedoch nahe, dass die Entscheidung mit dem Territorialstreit in Verbindung steht.

Venezuela hatte seit 2009 im Rahmen des energiepolitischen Bündnisses PetroCaribe Reis aus Guayana importiert und im Gegenzug Erdöl geliefert.

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