Weltweite Fahndung nach flüchtigem Drogenboss aus Mexiko

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Kartellboss "El Chapo" bei der Festnahme 2014 in Mexiko
Kartellboss "El Chapo" bei der Festnahme 2014 in Mexiko

Mexiko-Stadt. Kein Tag ohne neue Meldungen zur Flucht von Joaquín Guzmán, alias "El Chapo". Der Chef des Sinaloa-Drogenkartells ist am vergangenen Samstag aus dem Hochsicherheitsgefängnis "El Altiplano" durch einen Tunnel aus seiner Zelle geflohen. Nach ihm wird international gefahndet.

Autobahnen, Grenzen und Flughäfen werden mit Hochdruck überwacht und durchsucht. Das Einsatzteam aus derzeit fast 10.000 mexikanischen Polizeikräften wird stetig aufgestockt. Das Land sei in höchster Alarmbereitschaft, berichtete das Innenministerium SEGOB. Die mexikanische Regierung setzte ein Kopfgeld von 60 Millionen Pesos (knapp 3,5 Millionen Euro) auf Guzmán aus. Interpol hat ihn zur Fahndung in 190 Ländern ausgeschrieben. Die Grenzstaaten USA und Guatemala kooperieren ebenfalls.

Derweil werden immer mehr Details über die spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis 90 km östlich von Mexiko-Stadt bekannt. Mehr als 30 Mitarbeiter der Haftanstalt wurden verhört, der Gefängnischef und drei Beamte anderer Behörden entlassen. Sowohl Mitarbeiter als auch Besucher stehen unter Verdacht, zur Flucht verholfen zu haben.

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Ungeklärt ist, wie "El Chapo" Zugriff auf die streng geheimen Baupläne des Gefängnisses bekam, die für den Weg für den 1,5 Kilometer langen Tunnel zwischen Zellendusche und einem Wohnhaus notwendig waren. Mexikanische Medien bezeichnen Guzmán als "Tunnelexperten". Unterirdische Gänge unter der Grenze zu den USA hätten ihm in den neunziger Jahren zur Lagerung und zum Transport von Drogen gedient. Auch die unterschiedlichen Anwesen des Kartellchefs seien durch Tunnelsysteme verbunden gewesen.

Währenddessen kämpft die mexikanische Regierung um die Wahrung ihres internationalen Rufes. Bei regelmäßigen Pressekonferenzen wird versucht, das weltweite Interesse nach Informationen zu befriedigen. Der in Frankreich weilende Präsident Enrique Peña Nieto nannte den Ausbruch eine "nationale Schande" und versprach lückenlose Aufklärung. Mittlerweile ist das Überwachungsvideo, das Guzman bei der Flucht zeigt, frei zugänglich. Einige Journalisten bekamen die Möglichkeit, die Zelle zu besichtigen.

Es ist bereits die zweite Flucht des einflussreichen Kartellbosses. Bereits 2001 floh er nach achtjähriger Haft aus einem Hochsicherheitsgefängnis im Bundesstaat Jalisco. Guzmán, im Februar 2014 erneut festgesetzt, wird Drogenhandel und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Auch die USA haben Haftbefehl gegen ihn erlassen und bestehen auf seiner Auslieferung an ihre Justizbehörden.

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