Quito. Das Umfeld von Ecuadors Präsident Daniel Noboa steht nach Recherchen des investigativen Netzwerks Organized Crime and Corruption Reporting Projekt (OCCRP) wegen möglicher Verbindungen zum internationalen Kokainhandel unter Verdacht. Zwischen 2020 und 2021 sollen demnach wiederholt größere Mengen Kokain in Bananencontainern des Familienunternehmens Noboa Trading aus ecuadorianischen Häfen nach Europa verschifft worden sein.
Die Ermittler stützten sich dabei unter anderem auf beschlagnahmte Chatprotokolle des verschlüsselten Netzwerks Sky ECC, auf Schifffahrtsdaten sowie auf Akten europäischer Strafverfolgungsbehörden. Weder das Unternehmen noch der Präsident haben sich bisher zu den Vorwürfen geäußert.
Die Veröffentlichungen setzen Noboa unter Druck. Politisch ist er zusätzlich angeschlagen, nachdem er erst jüngst eine Volksbefragung zur Änderung der Verfassung klar verloren hat (amerika21 berichtete). Die neuen Enthüllungen untergraben seinen Diskurs, der sich auf den angeblichen Kampf gegen die organisierte Kriminalität und den Drogenterrorismus konzentriert. Es ist nicht das erste Mal, das er mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert wird: Bereits Anfang des Jahres gab es Berichte über Kokainfunde in Containern von Noboa Trading (amerika21 berichtete).
Nach den Recherchen von OCCRP behaupten Drogenhändler vom Balkan in Textnachrichten, dass sie über exklusive Handelsrechte mit Kokain verfügten, das in Bananen-Exportcontainern von Noboas Familienunternehmen versteckt sei. Es handelt sich dabei um Nikola Đorđević (in seinem Heimatland Serbien wegen Kokainhandels gesucht) und den Kroaten Petar Ćosić (derzeit wegen internationalen Drogenhandels, Mords und Gründung einer kriminellen Vereinigung vor Gericht).
"Während die Gruppe von Đorđević für das Verladen des Kokains am Herkunftsort zuständig war, geht aus Akten der kroatischen Staatsanwaltschaft hervor, dass eine andere Drogenbande vom Balkan für das Entladen der Drogen aus den Containern von Noboa Trading bei ihrer Ankunft in Kroatien verantwortlich war," geht aus den Untersuchungen hervor. Zudem "wurde diese Bande vermutlich von Ćosić angeführt".
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Noboa Trading ist Teil des Konglomerats der Familie Noboa und gehört zur Noboa Corporation, deren größter Anteilseigner Lanfranco Holding S.A. ist. Nach Informationen aus den Panama Papers wurde dieses Unternehmen 2015 von Álvaro Noboa an seine Söhne Daniel und Juan Sebastián übertragen.
Zeitgleich stellte ein Bericht der New York Times fest, dass Ecuador zu einer "Superautobahn" für Kokain geworden sei, über die etwa 70 Prozent des weltweiten Angebots exportiert würden.
Der Journalist Andrés Durán geht in seiner Einschätzung noch weiter. Für ihn handelt es sich nicht um ein zufälliges Versagen der Sicherheitskräfte. Durán behauptet, dass Präsident Noboa ein internationales Netzwerk der organisierten Kriminalität leitet. Große Mengen des gehandelten Kokains werden in Bananencontainern versteckt. Laut Durán verfügt Noboa Trading, eines der größten Bananenunternehmen der Welt, über umfassende Kenntnisse dieses Geschäfts. Einen Zufall hält er daher für ausgeschlossen.
Die Enthüllungen wurden mittlerweile auch vom venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro aufgegriffen, der am verganene Woche abermals die Vorwürfe der Trump-Regierung zurückwies, sein Land sei massiv in Drogengeschäfte verwickelt. Maduro sagte, in Wahrheit seien es die Häfen der familiären Unternehmen von Daniel Noboa, die den Weg für einen Großteil des Kokainhandels bahnten.


