Paramilitär belastet El Cerrejón und Ex-Gouverneur in Kolumbien

Betreiber des Kohlebergwerks El Cerrejón erneut in der Kritik. Ex-Gouverneur von La Guajira soll paramilitärische Truppen angeführt haben

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Auch die Betreiber der Kohlemine El Cerrejón sollen mit Paramilitärs zusammen gearbeitet haben
Auch die Betreiber der Kohlemine El Cerrejón sollen mit Paramilitärs zusammen gearbeitet haben

Bogotá. Der kolumbianische Paramilitärführer Arnulfo Sánchez González, der seit 2010 in den USA wegen Drogenhandels inhaftiert ist, hat aus dem Gefängnis heraus den früheren Gouverneur von La Guajira, Juan Francisco Gómez, beschuldigt, Führer der Paramilitärs in der Region gewesen zu sein. Gegen Gómez wird derzeit ein Prozess wegen mehrfachen Mordes geführt.

Sánchez selbst war Führer der "Widerstandsfront Tayrona" (Frente Resistencia Tayrona) der rechten "Vereinigten Selbstverteidigungseinheiten Kolumbiens" (AUC). Er führte im April 2004 das drei Tage dauernde Massaker von Bahía Portete gegen Wayúu-Indigene an. Dabei wurden 30 Wayúu ermordet, 60 sind bis heute verschwunden und bis zu 600 wurden zur Flucht nach Venezuela gezwungen. Der frühere Paramilitär wird seit 2010 verhört und hatte bis zu dieser Aussage Mitte August keine relevaten Informationen zu laufenden Ermittlungen wegen Menschenrechtsverletzungen und Morden preisgegeben.

Noticias Uno veröffentlichte ein Video, in dem Sánchez aussagt, Gómez habe gemeinsam mit Paramilitärs und der Chefetage des Kohlebergwerks El Cerrejón die Ermordung von Arbeitern geplant und durchgeführt. Der damalige Gouverneur habe Treffen zwischen Paramilitärs und Vertretern des multinationalen Konzerns eingeleitet und durch die Paramilitärs die Sicherung der Kohleminen garantiert. El Cerrejón ist eins der grössten Kohleabbaugebiete, in dem übertage gearbeitet wird. Gegen die Betreiber wird seit Jahren wegen Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung geklagt. Bisher sind die Klagen in erster Instanz abgewiesen worden. Eine weitere Klage befindet sich zur Zeit in der Prüfungsphase vor dem Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof.

Der Ex-Gouverneur habe laut Sánchez darüber hinaus die Übernahme der Macht in La Guajira durch die Paramilitärs unterstützt und diese mit der "sozialen Säuberung" der Region beauftragt. Diesen Aktionen fielen zahllose Zivilisten und Politiker der Region zum Opfer. Sánchez beschreibt in seiner Aussage, wie Gómez Mordbefehle gegeben habe, Paramilitärs nachts die Morde ausgeführt hätten und Gómez an den folgenden Morgenden die Aufklärung derselben angeordnet habe.

Diese Aussage von Sánchez wird als ein weiterer Beweis der engen Verbindungen zwischen Regierungen und Paramilitärs gewertet. Nicht nur auf nationaler Ebene wie im Falle des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe, sondern auch auf regionaler und lokaler Ebene wird immer deutlicher, dass die Regierungen eng mit den Paramilitärs zusammen arbeiten.

Die Betreiberfirma Cerrejón, ein Gemeinschaftsunternehmen von BHP Billiton, Anglo Americ und Glencore, weist alle Vorwürfe zurück und behauptet, niemals Verbindungen zu illegalen Gruppen gehabt zu haben. Internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International hatten bereits mehrfach auf die Verantwortung für Übergriffe gegen Arbeiter und Anwohner der Region seitens der Betreiberfirma hingewiesen.

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