Streik in Kohlemine El Cerrejón

100213-6bmarcha.jpg

Demonstration der streikenden Minenarbeiter in Riohacha, Bundesstaat Cesar, Kolumbien
Demonstration der streikenden Minenarbeiter in Riohacha, Bundesstaat Cesar, Kolumbien

Bogotá. Seit dem 7. Februar streiken die Beschäftigten in Kolumbiens größter Kohlemine El Cerrejón. Die Belegschaft fordert mit einem neuen Tarifvertrag auch die Formalisierung der als Leiharbeiter Beschäftigten, die Anerkennung von Berufskrankheiten und stärkere Investitionen in den Umweltschutz. Nach Angaben der Gewerkschaft Sintracarbón ist die gesamte Produktion lahm gelegt.

Das Unternehmen bezifferte die Verluste allein der ersten fünf Streiktage auf 27 Millionen US-Dollar. Inzwischen schaltete sich Präsident Juan Manuel Santos in den Arbeitskampf ein und forderte die Konfliktpartner zu einer Einigung auf. "Die Familien der 11.500 Beschäftigten werden in Schwierigkeiten geraten. Daher müssen wir alle Kräfte darauf konzentrieren, eine Einigung zu finden", so Santos gegenüber der kolumbianischen Presse.

Am vergangenen Freitag traf eine Verhandlungskommission mit dem stellvertretenden Arbeitsminister, José Noé Ríos, zusammen. Neben den unmittelbar tariflichen Forderungen steht das Thema Umweltschutz auf der Agenda: Die 3.800 in Sintracarbón organisierten Arbeiter setzen sich auch für einen stärkeren Umweltschutz auf der Halbinsel La Guajira ein. Ihre Forderungen umfassen ein Verbot der durch das Unternehmen El Cerrejón geplanten Umleitung des Flusses Ranchería und den besseren Schutz für umgesiedelte Dörfer. In die Gespräche werden nun auch die Landesregierung des Bundesstaates Cesar, das Ministerium für Bergbau und die Gemeindevorsteher einbezogen.

Ende Januar zeigten sich Analysten besorgt über mögliche Auswirkungen des Streiks auf die europäischen Abnehmer. Der Arbeitskampf führt zu einem Ausfall von etwa 40 Prozent der aus Kolumbien exportierten Steinkohle. Das entspricht 2,5 bis 3 Millionen Tonnen der monatlich verschifften Kohle. Mit dem Streik könnten die kurzfristigen Kosten für Steinkohle sehr schnell ansteigen, so der Brancheninformationsdienst Coal Americas, zumal die Lager leergefegt seien und neue Bestellungen erst wieder am Ende des 2. Quartals möglich sind. Nach Angaben des Hamburger Protestbündnisses Gegenstrom.13 würde ein Lieferengpass in Europa vor allem den Energiekonzern Vattenfall betreffen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr