Venezuela / Wirtschaft

Leitende Funktionäre in Venezuela wegen Unterschlagung in Haft

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Innenminister Lopez berichtete im Fernsehen über die Festnahmen
Innenminister Lopez berichtete im Fernsehen über die Festnahmen

Caracas. In Venezuela sind drei hochrangige Funktionäre staatlicher Versorgungsunternehmen wegen Unterschlagung verhaftet worden. Sie sollen Millionengeschäfte mit dem illegalen Verkauf subventionierter Lebensmittel an private Restaurants, Kantinen und Supermärkte gemacht haben.

Wie Innenminister Gustavo González López am Sonntag bekannt gab, werden der Präsident und die Verwaltungsdirektorin der Corporación Venezolana de Alimentos (CVAL) sowie die Präsidentin der Supermarktkette Abastos Bicentenario wegen vorsätzlicher Unterschlagung und Spekulation angeklagt. In ihren Häusern und Büros wurden große Geldsummen gefunden. Das "organisierte Volk und die nationale Antikorruptionsbehörde" seien ihnen auf die Spur gekommen. Die Verhafteten hätten unter anderem im großen Stil Produkte abgezweigt, die für den Verkauf auf den staatlichen Mercal-Märkten in Caracas bestimmt waren. Dabei seien ganze LKW mit subventionierten Lebensmitteln umgeleitet worden. Insgesamt vierzig staatliche Angestellte wurden im Zug dieser Ermittlungen festgenommen, zwölf weitere werden noch per Haftbefehl gesucht.

Die Funktionäre hätten die "Politik der Regierung zur Ernährungssicherheit missbraucht, die zur Versorgung der ärmsten Familien mit Lebensmitteln bestimmt ist. Sie lenkten Nahrungsmittel von der Bevölkerung zu privaten Handelsnetzwerken um, die diese Produkte zu spekulativen Preisen verkaufen." Dies sei Teil des "Wirtschaftskrieges", sagte López.

Wie das Internetportal Venezuelanalysis berichtet, ist die Differenz zwischen den staatlich regulierten Preisen für Lebensmittel und denen in privaten Geschäften derzeit "aufgrund einer katastrophalen Kombination aus sinkenden Einkünften, steigender Inflation und Abwertung der Währung" auf einem Höchststand angelangt.

Venezuela kämpft seit Anfang 2014 mit großen Problemen bei der Versorgung mit bestimmten Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Viele Zwischenhändler horten Produkte oder verkaufen sie zu überhöhten Preisen auf dem Schwarzmarkt. Die Regierung geht immer wieder gegen Vertriebsfirmen und Einzelhandelsketten vor. Nach offiziellen Schätzungen werden bis zu 40 Prozent der Lebensmittel, die für den heimischen Markt bestimmt sind, nach Kolumbien geschmuggelt und dort teurer verkauft. Das betrifft vor allem auch subventionierte Güter. Die Regierung musste bereits mehrfach gegen Schiebereien und Korruption bei den staatlichen Lebensmittel- und Supermärkten einschreiten, immer wieder wurden Angestellte festgenommen. Der aktuelle Fall ist bislang einer der brisantesten, da er die Führungsetagen betrifft.

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