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18.01.2015 Venezuela / Wirtschaft

Über 1.000 Personen in Venezuela wegen Schmuggels in Haft

Regierung beschlagnahmt erneut Tausende Tonnen zurückgehaltene Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs. Lagerhallen von Vertriebsfirmen besetzt
Die Lager des Unternehmens Herrera C.A. sind mit Gütern voll, die in den Supermärkten fehlen

Die Lager des Unternehmens Herrera C.A. sind mit Gütern voll, die in den Supermärkten fehlen

Quelle: aporrea.org

Caracas. In Venezuela wird gegen 2.584 Personen wegen Schmuggels ermittelt, davon sind 1.082 in Haft, weitere 29 stehen unter Anklage. Dies gab die Leiterin der staatlichen Kommission gegen Organisierte Kriminalität, Yurima Gil, bekannt. Die der Generalstaatsanwaltschaft angegliederte Behörde wurde im August vergangenen Jahres geschaffen, um gegen die Mafiastrukturen vorzugehen, die den Schmuggel und das Horten von Lebensmitteln, Gütern des täglichen Bedarfs sowie Benzin organisieren. Bis zum Jahresende 2014 habe die Arbeit der Kommission zur Beschlagnahme von insgesamt 28.000 Tonnen Lebensmittel beigetragen, die außer Landes gebracht und dort zu einem Vielfachen ihres Preises verkauft werden sollten.

Gil richtete einen Aufruf an die venezolanischen Bürger, "irreguläre Situationen im Zusammenhang mit Schmuggel, Horten und Spekulation" zu melden, damit die beteiligten Strukturen aufgedeckt, Beschlagnahmungen durchgeführt und Konten der Verantwortlichen eingefroren werden könnten.

Etwa 40 Prozent der Lebensmittel, die in Venezuela auf den Markt kommen sollten, werden laut Schätzungen der Regierung nach Kolumbien geschmuggelt. Rund 15 Prozent des in Kolumbien verbrauchten Benzins komme illegal aus Venezuela. Allein in der vergangenen Woche wurden in Guráico 61 Tonnen Milchpulver und in Mérida 27 Tonnen Hühner sichergestellt, die mutmaßlich für den Schmuggel bestimmt waren.

Besetzes Warenlager von Herrera C.A. in Maracaibo

Quelle: albaciudad.org

Tausende Tonnen zurückgehaltene Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs wie Waschmittel, Seife und Windeln wurden im Lauf der Woche in Lagerhallen der Großvertriebsfirma Herrera C.A. in den Bundesstaaten Falcón, Zulia  und in ihrem Hauptsitz in Anzoátegui beschlagnahmt. Dabei wurden in Falcón elf Mitarbeiter festgenommen. Am vergangenen Freitag wurden schließlich alle 14 Filialen der Firma besetzt und dem Handelsministerium unterstellt. Herrera C.A. vertreibt unter anderem exklusiv die Produkte des US-amerikanischen Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble, vor allem Hygiene-und Haushaltsartikel, in sieben Bundesstaaten und neun Großstädten und soll den Bedarf von 30 Prozent der venezolanischen Bevölkerung abdecken. Besonders heikel an diesem Fall ist, dass der Firma direkte Verbindungen zu einer Vertreterin der Oppositionspartei Voluntad Popular nachgesagt werden.

Ebenfalls am Freitag wurden im Bundesstaat Barinas rund 47 Tonnen Hühner bei der Import- und Vertriebsfirma Matadero Avícola los Llanos, C.A. eingezogen, weil sie fast das Doppelte des festgelegten Kilopreises verlangt hatte. Von jetzt an müsse die Firma ihre Ware kontrolliert an die staatliche Lebensmittelkette Pdval liefern, so der Leiter des Amtes zur Überwachung fairer Preise (Sundde), Andrés Eloy Méndez. Außerdem wurde ein Bußgeld verhängt. Der Staat habe nach Klagen von Verkäufern der lokalen Märkte eingegriffen. Mitarbeiter des Sundde sind im Rahmen der “Ökonomischen Offensive gegen die Spekulation und das Horten” der Regierung im ganzen Land unterwegs.

Indes wurden auch zwei Filialleiter und 15 Angestellte eines staatlichen Supermarktes im Bundesstaat Bolívar wegen illegalen Verkaufs von Grundbedarfsgütern in Gewahrsam genommen. Anwohner hatten nachts beobachtet, wie Angestellte an acht Zwischenhändler Güter verkauften. Sie informierten daraufhin die Sicherheitsbehörden, die alle anwesenden 25 Personen festnahmen. Gegen sie ermitteln nun die für Korruptionsbekämpfung zuständigen Staatsanwälte.

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