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21.03.2016 Mexiko / Umwelt

Noch kein endgültiges Urteil für den Anbau von Genmais in Mexiko

Organisationen und Bürger kritisieren Aussaat genetisch veränderter Pflanzen. Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaft sollen von Expertenteam geprüft werden
Die Vielfalt mexikanischer Maissorten ist durch den Anbau von Genmais bedroht

Die Vielfalt mexikanischer Maissorten ist durch den Anbau von Genmais bedroht

Quelle: Sam Fentress
Lizenz: CC by-sa 2.0

Mexiko-Stadt. Der US-amerikanische Agrarkonzern Monsanto hat bestätigt, dass noch kein endgültiges Urteil zu der Anbaulizenz für genmodifizierte Nutzpflanzen in Mexiko gefällt worden ist. Ein mexikanischer Bundesrichter wies das Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht, Landentwicklung, Fischerei und Ernährung (Sagarpa) Anfang März darauf hin, dass keine Genehmigung für den kommerziellen Anbau von Genmais erteilt werden darf, bis ein Expertenteam von Wissenschaftlern und Produzenten ein Ergebnis bezüglich der Auswirkungen des Anbaus vorlegt.

Erst vergangenen August wurde das Genehmigungsverbot für den kommerziellen Anbau von Genmais zugunsten internationaler Agrarunternehmen aufgehoben. Betroffen von der Entscheidung sind nun insbesondere Monsanto und AgroBio, zu dem auch das deutsche Pharmaunternehmen Bayer gehört.

2009 hatte Monsanto erstmals eine Genehmigung für den experimentellen Anbau von transgenen Nutzpflanzen erhalten. Bis 2013 wurde das Gesetz für biologische Sicherheit für genmodifizierte Organismen vom mexikanischen Gericht Schritt für Schritt gelockert, um Versuche für die Kommerzialisierung von genetisch verändertem Mais, Soja und Baumwolle durchzuführen. Im gleichen Jahr konnten allerdings Organisationen und einzelne Bürger die Genehmigungsverfügung für die Konzerne aufheben, da der Anbau laut Experten nachweislich Schäden sowohl für Umwelt als auch die Wirtschaft des Landes bedeutet. Im Dezember vergangenen Jahres räumte Monsanto sogar in einem juristischen Verfahren ein, dass traditionelle Anbaugebiete durch den gentechnisch veränderten Mais kontaminiert werden können, falls dieser großflächig angebaut würde.

Das Argument seitens Monsantos, dass durch den genmodifizierten Mais viele Bauern aus der Armut geholt werden können, da diese Art resistenter gegen Klimaschwankungen und Schädlinge und somit ergiebiger sei, erklären Experten für hinfällig. Wenn der Anbau von Mais unter die Kontrolle weniger Agrarkonzerne fällt, würden die Bauern gleichsam ihre Unabhängigkeit verlieren und könnten jederzeit unter Druck geraten. Sie wären dazu gezwungen, "Verträge zu unterzeichnen, die sie dazu zwingen, die Forderungen und Richtlinien der Unternehmen zu erfüllen", heißt es in dem von Greenpeace veröffentlichten Bericht "Genetisch veränderte Pflanzen. Wer verliert?". Trotz einer Vielfalt von rund 60 verschiedenen Maissorten, die in Mexiko angebaut werden, importierte das Land rund zehn Millionen Tonnen allein im Jahr 2014 zu günstigeren Preisen aus den USA. Die Verluste durch den Preisdruck sind im regionalen Anbau daher schon jetzt zu spüren.

Ein weiterer Effekt, den Umweltschützer befürchten, ist die Unversehrtheit organischer Maisarten. "Für Mais aus verschiedenen Regionen unseres Landes besteht die Gefahr der genetischen Kontaminierung" heißt es in dem Bericht von Greenpeace. Durch die Verwendung genetisch veränderter Samen seien auch umliegende Gebiete betroffen, da sich die Pollen bei der Bestäubung der Blüten vermischen und so der natürliche Anbau des organischen Mais aus dem Gleichgewicht gerät.

Dies hatte zuletzt auch schwere Auswirkungen auf die Honigproduktion im Bundesstaat Yucatan im Südosten Mexikos. Die Produzenten, die Honig hauptsächlich nach Europa exportieren, konnten keine organische Produktion ihres Honigs sicher stellen, da die Verwendung von Pollen genmodifizierter Pflanzen nicht mehr ausgeschlossen werden konnte. 2011 stoppte daher ein Urteil der Europäischen Union den Import des mexikanischen Honigs. Erst Ende 2015 konnten Organisationen und Gemeinden eine vorläufige Suspendierung des Anbaus genetisch veränderter Pflanzen erwirken. Mexiko ist nach China und Argentinien weltweit drittgrößter Exporteur von Honig. Allein in Yucatan produzieren etwa 17 Tausend Imker, die meisten von ihnen Kleinbauern und Indigene, rund ein Drittel des nationalen Exports.

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31.08.2015 Nachricht von Gerold Schmidt