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Schweizer Rüstungskonzern auf PR-Tour in Lateinamerika

Eine Dornier 228-212 beim Einsatz eines Ärzteteams der venezolanischen Luftwaffe im Bundesstaat Amazonas

Eine Dornier 228-212 beim Einsatz eines Ärzteteams der venezolanischen Luftwaffe im Bundesstaat Amazonas

Quelle: twitter.com

Bern. Der staatseigene Schweizer Rüstungskonzern RUAG bemüht sich derzeit um die Anwerbung von Kunden in Lateinamerika. Seit Ende Februar befindet sich eine Delegation mit einem Flugzeug des Typs Dornier 228 auf einer Werbereise durch zehn Länder des Kontinents. Dieses im bayrischen Oberpfaffenhofen produzierte Modell kann sowohl für Personentransporte genutzt als auch zum Fracht-, Patrouillen- oder Fallschirmspringerflugzeug sowie zu einem fliegenden Spital umgebaut werden.

Die RUAG-Delegation knüpft auf der Lateinamerika-Tour mit Fluggesellschaften und Bergbauunternehmen ebenso Kontakte wie mit "Vertretern verschiedener Streitkräfte und Regierungsinstitutionen", wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Die PR-Tour begann in Mexiko, anschließend standen Besuche und Vorführungen in El Salvador, Panama, Ecuador, Kolumbien, Peru, Chile, Argentinien, Paraguay und Brasilien auf dem Programm.

Derweil laufen die Geschäfte mit einem anderen südamerikanischen Partner für die RUAG eher schlecht. Wie die Schweizer Tageszeitung "TagesAnzeiger" berichtet, hat das Unternehmen die Lieferung von sieben Dornier-Flugzeugen nach Venezuela gestoppt, weil das Land mit der Zahlung in Verzug geraten sei. Ende 2013 hatte Venezuelas Regierung zehn solcher Maschinen bei der RUAG geordert. Vorgesehen war eine zivile Nutzung der Flugzeuge: Damit sollten entlegene Ortschaften im Landesinneren angeflogen werden. Nachdem drei Maschinen bereits geliefert wurden, droht nun das Geschäft zu platzen.

Die RUAG Holding AG ist eine Aktionegesellschaft, die aus den ehemaligen staatlichen Rüstungsbetrieben der Schweiz hervorgegangen ist. Bis heute befinden sich sämtliche Aktien des Unternehmens in Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Die RUAG beliefert sowohl das Schweizer Verteidigungsdepartement als auch private und staatliche Kunden weltweit.

Friedenspolitische Gruppen wie die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) haben die international ausgerichtete Geschäftspolitik des Konzerns wiederholt kritisiert. Im Jahr 2012 waren etwa Handgranaten aus RUAG-Fabrikation im Krieg in Syrien aufgetaucht, die ursprünglich in die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert wurden.

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