Berlin benennt Volkshochschule nach mexikanischem Diplomaten Gilberto Bosques

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Gilberto Bosques (1892-1995)
Gilberto Bosques (1892-1995)

Berlin. In Deutschland wird erstmals eine öffentliche Institution nach einem lateinamerikanischen Diplomaten benannt, der während des Holocaust Verfolgten des Hitler-Faschismus zur Flucht verholfen hat. Nach einem Beschluss, der amerika21 vorliegt, soll die Volkshochschule im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nach dem mexikanischen Generalkonsul Gilberto Bosques (1892-1995) benannt werden.

Bosques war als mexikanischer Generalkonsul ab 1939 zunächst in Paris und nach der Besetzung großer Teile Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht in Marseille tätig, dem Sitz der mit den Deutschen kollaborierenden Vichy-Regierung. In dieser Funktion stellte er zahlreichen Flüchtlingen – nach Südfrankreich geflohenen Kämpfern aus dem Spanischen Bürgerkrieg, Juden, Antifaschisten, Sozialisten, Künstler und weiteren vom Nazi-Regime bedrohten Menschen – Ausreisepapiere und Visa für Mexiko aus, verschaffte ihnen auch die Schiffspassagen. Er ermöglichte auf diese Weise unter anderem auch Anna Seghers, Hanns Eisler, Walter Janka, Marie Pappenheim, Egon Erwin Kisch und Bruno Frei die Flucht nach Mexiko. Einigen Quellen zufolge hat er so 40.000 Menschen das Leben retten können. Im englischsprachigen Raum werde Bosques oft als der "mexikanische Schindler“ bezeichnet, heißt es in der Begründung der Bezirksverordnetenversammlung der Berliner Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg.

Bereits 2013 hat der damalige mexikanische Botschafter das Wirken Bosques’ als Ergebnis der damaligen Außenpolitik Mexikos gewürdigt. Das "mutige und entschlossene Handeln“ Bosques’ und seiner Mitarbeiter in Marseille sei "in engem Einvernehmen mit der damaligen Regierung unter dem Präsidenten Lázaro Cárdenas" erfolgt, sagte Francisco N. González Díaz bei einer Veranstaltung in der Botschaft seines Landes in Berlin. Diese Politik habe sich in die lange außenpolitische Tradition des Landes eingereiht. Mexikos "Außenpolitik wurde und wird traditionell von den Prinzipien der Nichteinmischung, des Selbstbestimmungsrechts, der friedlichen Lösung von Konflikten und der Abrüstung bestimmt".

Von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde Bosques als "Gerechter unter den Völkern“ geehrt. In Berlin wurde seinem Wirken im Rahmen der Ausstellung "Letzte Zuflucht Mexiko: Gilberto Bosques und das deutschsprachige Exil" in der Akademie der Künste 2012/2013 gedacht. Vor allem die Alexander-von-Humboldt-Gesellschaft bemüht sich seitdem darum, Bosques in Berlin eine dauerhafte Ehrung zuteil werden zu lassen und an seine Taten zu erinnern.

"Die Beschäftigten der Volkshochschule-Friedrichshain haben sich nun dieses Anliegen zu eigen gemacht und angeregt, die Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg nach Gilberto Bosques zu benennen“, hieß es in dem Antrag der Grünen und Linken in Berlin. Heute seien erneut zahlreiche Menschen auf der Flucht und vielleicht mehr denn je angewiesen auf mutige, humanistisch denkende und handelnde Menschen. Einigen der von Bósques Geretteten "verdanken wir künstlerische Werke, die ein bedeutender Teil unseres kulturellen Erbes heute sind“, heißt es in dem Antrag weiter. Deshalb sei gerade eine Institution wie die Volkshochschule geeignet, seinen Namen zu tragen.

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