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04.07.2016 Bolivien / Chile / Militär / Politik

Morales fordert Chile zur Minenräumung im Grenzgebiet auf

Antipersonenminen: Zahlreiche dieser gefährlichen Waffen liegen noch an der Grenze zwischen Chile und Bolivien

Antipersonenminen: Zahlreiche dieser gefährlichen Waffen liegen noch an der Grenze zwischen Chile und Bolivien

Quelle: David Monniaux
Lizenz: CC by-sa 3.0

La Paz. Boliviens Präsident Evo Morales hat Chile dazu aufgefordert, die Minen an der Grenze zu Bolivien zu räumen und mehr in Sozialpolitik als in das Militär zu investieren. Morales reagierte mit seinen Äußerungen auf die Präsentation des Buches "Vocación de paz" (Berufung zum Frieden), das die chilenische Regierung anlässlich des Gipfeltreffens der Pazifikallianz an die Präsidenten Perus, Mexikos und Kolumbiens verteilen möchte.

In dem Werk werden die Bemühungen der chilenischen Außenpolitik zuammengefasst, es geht auf Geschichte, Kultur, Persönlichkeiten und Beziehungen zu den Nachbarländern ein. Morales kritisierte dies auf Twitter: "Um ein Buch über die Berufung zum Frieden vorzustellen, müsste Chile zunächst die Minen an der Grenze zu Bolivien räumen und militärische Investitionen durch soziale ersetzen."

Gemäß Artikel 5 der Ottawa-Konvention, die das Verbot von Antipersonenminen regelt und von Chile unterzeichnet wurde, hätten alle Minen bis 2012 entfernt werden müssen. Diese Frist wurde nicht eingehalten, sodass ein großer Teil der Minen aus der Zeit der Pinochet-Diktatur (1973-1990) immer noch vorhanden sind. Infolgedessen hat Chile bereits um einen Aufschub bis 2020 gebeten.

Die Minen im Grenzgebiet stellen nicht den einzigen Streitpunkt zwischen beiden südamerikanischen Ländern dar. Vor zwei Wochen reichte Chile eine Klage zur Anerkennung des Flusses Silala als internationales Gewässer vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag ein. Der chilenischen Argumentation zufolge könne das Land 50 Prozent des Wassers nutzen, da es sich um einen internationalen Fluss handele. Bolivien hält dem entgegen, dass das Wasser nur aufgrund von künstlichen Kanälen in das Nachbarland gelangt, die durch ein chilenisches Privatunternehmen Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden und verlangt Entschädigungszahlungen.

Morales erklärte, dass Bolivien das Recht auf die Nutzung des Wassers der Flüsse Silala und Lauca sowie auf den Zugang zum Meer hätte. "Wir suchen weder Hass noch Aggression. Wir suchen nur gute Nachbarschaft und Brüderlichkeit, die unsere Rechte respektiert", führte er aus.

Chiles Außenminister Heraldo Muñez machte hingegen Bolivien für die angespannte Lage zwischen beiden Ländern verantwortlich. Bolivien habe die diplomatischen Beziehungen zu Chile 1962 zerstört und suche auch jetzt die Konfrontation, während  Chile auf den Dialog setze, so Muñez.

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