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CNN-Journalisten vor bolivianisches Gericht geladen

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Fernando del Rincón, einer der beiden vorgeladenen CNN-Journalisten
Fernando del Rincón, einer der beiden vorgeladenen CNN-Journalisten

La Paz. Zwei Journalisten des US-amerikanischen Nachrichtensenders CNN sind in Bolivien vergangene Woche als Zeugen vor Gericht geladen wurden. Sie sollten zum Fall eines Jungen aussagen, der fälschlicherweise als der Sohn des bolivianischen Präsident Evo Morales ausgegeben wurde. Beide sind nicht erschienen.

Am 5. Mai dieses Jahres hatten sich die CNN-Reporter Fernando del Rincón und Alexis Ardines Bonachea mit dem Jungen in einem Hotel in La Paz zu einem Interview verabredet. Wenige Tage zuvor hatte die Ex-Partnerin von Morales, Gabriela Zapata, diesen als ihren gemeinsamen Sohn vor Gericht vorgestellt. Obwohl der Junge von seinem wirklichen Vater begleitet wurde und den Journalisten klar wurde, dass es sich dabei nicht um Morales' Sohn handeln konnte, überprüften sie dies nicht und unternahmen nichts daraufhin.

"Ich stelle mir vor, dass er [Rincón], als sie ihm das Kind vorgestellt haben, gemerkt haben muss, dass es nicht der Sohn von Evo ist und er als Journalist hätte die Pflicht, das zu melden. In dem Moment, in dem er das nicht getan hat, hat er eine Straftat begangen", erklärte Morales dazu.

Bereits im Februar – auf dem Höhepunkt der Kampagne zum Referendum über eine mögliche Wiederwahl von Präsident Morales – hatte Zapata öffentlich gemacht, dass sie und Morales ein gemeinsames Kind hatten. Der Präsident erklärte dazu, dass dieses Kind kurz nach der Geburt gestorben war. Als Zapata, die unter anderem wegen illegitimer Bereicherung inhaftiert ist, ein Kind als Morales' Sohn vor Gericht präsentierte, kamen Zweifel auf, da der Junge viel jünger war als der Sohn von Morales und Zapata es zu diesem Zeitpunkt wäre. Schlussendlich gab Zapata zu, dass ihr Kind tatsächlich 2009 verstorben war.

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Nach dieser Aussage wurde ein Verfahren unter anderem wegen Menschenhandel, krimineller Vereinigung und Missachtung des Gerichtes eröffnet. Fünf Personen, darunter die Eltern des Jungen, wurden festgenommen. Laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden den Eltern 5.000 US-Dollar gezahlt, damit sie ihn als den Sohn von Morales ausgeben.

Kommunikationsministerin Marianela Paco sprach von einer diffamierenden Kampagne gegen die Regierung mit dem Ziel, Morales zu schaden. Dem schloss sich Präsidialminister Juan Ramón Quintana an. Bolivien erlebe die Situation "eines medialen Putsches, den die Opposition vorantreibt und der den US-amerikanischen Interessen untergeordnet ist“.

"Was ist das für ein Journalismus, den CNN ausübt? Der sich verschwört, progressive Regierungen mit Lügen angreift und Straftaten begeht?", sagte Morales selbst.

Beide Journalisten sind nicht zu dem Gerichtstermin erschienen. Del Rincón ließ verlautbaren, sie hätten erst in den USA bei genauer Überprüfung bemerkt, dass der Junge nicht Morales' Sohn war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden beide erneut vorgeladen.

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