Mexiko / Politik

Indigene in Mexiko stellen Wortführerin vor und gründen eigenen Regierungsrat

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María de Jesús Patricio Martínez – Sprecherin der Indigenen in Mexiko
María de Jesús Patricio Martínez – Sprecherin der Indigenen und Präsidentschaftskandidatin in Mexiko

Chiapas, Mexiko. In Mexiko haben Vertreter indigener Gemeinden der 32 mexikanischen Bundesstaaten den ersten Nationalen Indigenen Regierungsrat, (Concejo Indígena de Gobierno), CIG, in der Geschichte des Landes gebildet. Zugleich gaben sie ihre Wortführerin bekannt. Gewählt wurde María de Jesús Patricio Martínez, eine Nahua-Indigene aus dem mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Sie wird in den nächsten Monaten den CIG in der Öffentlichkeit vertreten und als unabhängige Kandidatin bei den Präsidentschaftswahlen 2018 kandidieren.

Die 54-jährige Heilpraktikerin der traditionellen Medizin ist in ihrer Nahua-Gemeinde seit 1994 politisch aktiv. "Der Aufstand der Zapatisten 1994 war für mich sehr inspirierend. Sie sind vielleicht ärmer als ich, dennoch haben sie sich getraut gegen die Reichen und die Mächtigen dieses Landes zu kämpfen", so Patricio Martínez in einem Interview.

Sie habe bei dem ersten von der Nationalen Zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) anberaumten indigenen Forum 1996 in San Cristobal de las Casas, Chiapas, teilgenommen. "Bei dem Forum habe ich gesehen, dass die Einwohner meiner Gemeinde nicht die einzigen Armen waren und dass wir alle von den gleichen Problemen betroffen waren", so die Sprecherin des Indigenengremiums.

Patricio Martínez hat in Jalisco studiert und leitet das Gesundheitshaus in ihrer Gemeinde, das von der Universität von Guadalajara unterstützt wird.

Bei ihrer Teilnahme an dem von der EZLN organisierten Seminar "Die Mauer des Kapitals und die Risse der Linken" sprach sie im April über die Rolle der Frau bei sozialen Kämpfen. "Ich möchte über die andere Frau reden. Über die Frau, die sich organisiert und kämpft. Über die Frau, die nicht immer gesehen wird, aber Widerstand leistet in Mexiko und in der Welt."

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Bereits Oktober 2016 gaben die EZLN und indigenen Gemeinden, die im Nationalen Indigenen Kongress (CNI) vereint sind, die Entscheidung bekannt, den ersten Indigenen Regierungsrats (CIG) bilden zu wollen und eine indigene Frau als Wortführerin zu wählen. 

Von 26. bis 28. Mai diskutierten die 496 Delegierten der indigenen Gemeinden aus den 32 mexikanischen Bundesstaaten sowie 296 Gemeinderatsmitglieder in der "Universidad de la Tierra" in San Cristóbal de las Casas, über die Ernennung der Wortführerin. Diese wird der EZLN unterstützt.

Während der Pressekonferenz forderten die 71 Mitglieder des neugebildeten CIG von der Zivilgesellschaft, sich gegen die Ausbeutung der Naturressourcen, gegen den Raub ihres Landes, gegen Umweltzerstörung und Marginalisierung zu organisieren. Sie sind für eine Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen, Migranten, unabhängigen Menschenrechtsverteidigern, Regierungskritikern, Künstlern und Intellektuellen. Daraus sollen landesweite Alternativen zu der neoliberalen Regierungspolitik entstehen. 

Patricio Martinez betonte ihrerseits: "Wir kämpfen nicht für Wahlstimmen. Wir kämpfen für das Leben und das Leben ist das Wasser, das Land, die Erde, und das alles wird gerade zerstört. Und weil wir weiter leben wollen, haben wir entschieden, diesen Schritt zu tun."

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