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Landesweite Proteste nach weiterem Feminizid in Mexiko

Mit dieser Anzeige wurde die junge Frau gesucht, bevor ihr Körper gefunden wurde

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Mexiko-Stadt. In elf mexikanischen Bundesstaaten haben tausende Menschen nach einem erneuten Feminizid an Protesten teilgenommen. Nach dem Mord an Mara Fernanda Castilla Miranda forderten sie die Ausrufung eines nationalen Geschlechternotstands und Gerechtigkeit für die Opfer von Feminiziden.

Die Leiche der jungen Studentin war wenige Tage nach ihrem Verschwinden in Santa María Xonacatepec im Bundesstaat Puebla gefunden worden. Ihr Körper wies Spuren physischer und sexueller Gewalt auf. Für den Mord macht die zuständige Staatsanwaltschaft den Fahrer eines Transportunternehmens verantwortlich, der Mara Castilla in seinem Auto mitgenommen hatte. Allein in Puebla sind in diesem Jahr bereits 83 Frauen ermordet worden.

Den ersten Protestmarsch mit rund 5.000 Teilnehmern führte rund zwei Stunden nach der Beerdigung der jungen Studentin ihre Familie in ihrer Heimatstadt Xalapa in Veracruz an. Bei einer Kundgebung sagte ihre Schwester Karen Castilla: "Wir wollen Gerechtigkeit, nicht nur für meine Schwester, sondern für alle Verschwundenen. Wir wollen nicht noch mehr Anteilnahme, sondern, dass es nie wieder passiert." Auch die Mutter der Toten, Gabriela Miranda, erinnerte an die enorm vielen Fälle von Verschwindenlassen und an die Menschen jeden Alters und Geschlechts, die bis heute nicht gefunden wurden.

Im Durchschnitt werden in Mexiko täglich sieben Frauen ermordet. Nur ein Viertel der Fälle wird als Feminizid eingestuft, also als geschlechtsspezifisches Tötungsdelikt. Zwischen 2012 und 2016 hat die Nationale Beobachtungsstelle für Feminizide insgesamt 7.404 Morde an Frauen in Mexiko registriert. Bei allen erneuten Protestmärschen anlässlich des Mordes an Mara Castilla wurde daher ein politisches Augenmerk auf die massive Gewalt gegenüber Frauen gefordert.

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