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20.05.2016 Uruguay / Menschenrechte / Politik

Schweigemarsch in Uruguay für die Opfer der Diktatur

Plakat zum 21. Schweigemarsch in Montevideo

Plakat zum 21. Schweigemarsch in Montevideo

Quelle: voces.com.uy

Montevideo. Heute findet in Uruguay der 21. Schweigemarsch zum Gedenken an die Opfer der Diktatur (1973-1985) statt. Im Vorfeld äußerten Familienangehörige Angst vor Angriffen.

Im Mai 1996 fand der erste Schweigemarsch statt, organisiert von der Organisation "Mütter und Familienangehörige von Verschwundenen" (Famidesa). Das diesjährige Motto lautet: "Sie sind Teil von uns. Gegen die Straflosigkeit von gestern und heute. Wahrheit und Gerechtigkeit". In allen Teilen des Landes und auch im Ausland wird der Opfer der Diktatur gedacht und die nötige Aufklärung der damaligen Verbrechen angemahnt.

Die Sprecherin der Famidesa, Elena Zaffaroni bringt es auf den knappen Slogan: "Sie sind wir". Sie hebt damit auf die ungeklärten Fälle ab und erinnert an den Beginn der Geschichte der Verschwundenen der Diktatur: vor genau 45 Jahren verschwand in Uruguay der erste Mensch für immer und vor 40 Jahren wurden Senator Zelmar Michellini, der Stellvertreter und Präsident des Repräsentantenhauses, Hector Gutierrez Ruiz, die jungen Politiker Rosario Barredo und William Whitelaw und der Mediziner Manuel Liberoff in Argentinien im Rahmen der Operation Condor entführt und getötet. Diese Morde sind bis heute ungesühnt.

Zaffaroni wies darauf hin, dass es unter den den Organisationen und Einzelpersonen, die sich für die Aufklärung der Diktaturverbrechen einsetzen, berechtigte Angst vor Angriffen gibt und es im Vorfeld des Marsches Drohungen gab. In die Räumlichkeiten des forensischen Forscherteams der Universität von Montevideo, das sich mit dem Auffinden der sterblichen Überreste der Verschwunden befasst, wurde im April eingebrochen und Untersuchungsmaterial entwendet. Auf einer im Büro aufgehängten Karte markierten die Eindringlinge zudem die Wohnorte einiger der Wissenschaftler. Dies sei nicht der einzige Übergriff gewesen. "In den vergangen Jahren wurde oft versucht, unsere Arbeit zu stören. Richtern und Staatsanwälten wurden Computer geraubt. Rechtsanwälte wurden bedroht, einige Fälle wurden jetzt erst öffentlich, da sie nicht angezeigt wurden”, so Zaffaroni.

Im vergangen Jahr hatte Famidesa einen erfolgreichen Aufruf gestartet, mit dem sie die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach ihren Angehörigen gebeten hat. Innerhalb kurzer Zeit wurden über 300 weiterführende Hinweise eingereicht.

Die "Kommission für Wahrheit und Gerechtigkeit", die 2015 von Präsident Tabaré Vázquez ins Leben gerufen wurde, unterstützt die Arbeit von Famidesa. “Viele Dinge müssen organisiert und klassifiziert werden. Es geht nur langsam voran. Kooperation ist enorm wichtig. Alle sollen Zugang zu den Daten bekommen. Momentan stecken wir noch in den Formalitäten fest”, konstatierte Vázquez.

Famidesa fordert die Öffnung aller Archive und beklagt, dass die Strafverfolgung der Täter schleppend laufe und Untersuchungen über den Verbleib von Opfern torpediert würden. “Bei den Streitkräften gibt es einige Archive, auf die bisher niemand Zugriff hatte”, erklärt Zaffaroni.

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