Auch bei Wahlen in Costa Rica zeichnet sich ein Rechtsruck ab

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Straßenbild aus San José, Costa Rica: Bei den heutigen Wahlen deutet sich ein Rechtsruck an
Straßenbild aus San José, Costa Rica: Bei den heutigen Wahlen deutet sich ein Rechtsruck an

San José. Bei den Wahlen am heutigen Sonntag in Costa Rica können sich mindestens fünf Präsidentschaftskandidaten Hoffnungen, die Stichwahl zu erreichen. Einen Garanten für politische Stabilität gibt es mittlerweile nicht mehr. Die Partei der Nationalen Befreiung PLN (Partido Liberación Nacional) und die Christsozialen PUSC (Partido Unidad Social Cristiana) hatten sich seit den 1950er Jahren die Macht geteilt, bis vor vier Jahren erstmalig Luis Guillermo Solís für die Partei der Bürgeraktion PAC (Partido Acción Ciudadana) die Präsidentschaftswahlen gewann. Die PAC war direkt nach der Jahrtausendwende als politischer Ausdruck der damals massiven Proteste gegen das CAFTA-Freihandelsabkommen zu einer ernstzunehmenden Kraft geworden. Seitdem bröckelt die Macht der "Volksparteien" weiter.

Die Christsozialen treten dieses Jahr mit zwei Kandidaten an. Aber auch das PLN-Lager, theoretisch immer noch gut für 40 Prozent der Stimmen, hat sich im letzten Jahr in zwei Listen gespalten. Aus den Vorwahlen im April 2017 ging der Großgrundbesitzer und Unternehmer Antonio Álvarez Desanti als Sieger hervor, den auch der zweimalige Ex-Präsident Oscar Árias Sánchez (1986-1990;2006-2010) favorisierte. Doch Desanti gilt als blass und wankelmütig und verliert sei Monaten an Zustimmung.

Die bei den PLN-Vorwahlen unterlegene Strömung um den damaligen Parteivorsitzenden und Ex-Präsidenten José María Figueres Olsen (1994-98), stellte mit dem polarisierenden Rechtspopulisten Juan Diego Castro einen eigenen Kandidaten auf. Dem auch wegen seiner aggressiven Umgangsformen als "Trump von Costa Rica" titulierte Castro, konnten bislang weder Ermittlungen wegen häuslicher Gewalt, Attacken auf missliebige Journalisten, die Beschimpfung der starken Umweltbewegung als "Ökoterroristen" viel anhaben. Für seine Verbindungen mit der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca – bekannt geworden durch die Panama Papers – gilt das gleiche. Castro kann sich durchaus Hoffnungen machen, als Gewinner aus der Stichwahl hervorzugehen.

Die PAC von Präsident Luis Guillermo Solís hat in ihren ersten vier Regierungsjahren zwar mit negativer Presse zu kämpfen gehabt, war aber nicht vollkommen unbeliebt. Bis Mitte 2017 ein Skandal um aus China importierten Zement das Land erschütterte. Der als Antikorruptionspartei angetretene PAC bescherte dieser Skandal einen massiven Vertrauensverlust. Diverse Rücktritte waren die Folge.

Die religiöse Rechte fährt indes schon seit Monaten eine bislang beispiellose Kampagne gegen progressive Kräfte. In eigenen Fernseh-, Radio- und Internetkanälen hat sie gegen Genderthemen, Rechte der LGBT-Community, gegen Sexualkundeunterricht und künstliche Befruchtung Stimmung gemacht. Offensichtlich mit Erfolg: Wahlumfragen kurz nach der Gerichtsentscheidung sehen vor allem den homophoben, evangelikalen Kandidaten Fabricio Alvarado im Aufwind, dem nun sogar Chancen eingeräumt werden, die Stichwahl zu erreichen.

Chancenlos scheint der Kandidat der linken Frente Amplio, Edgardo Araya. Seine zwei Prozent sind kein Vergleich zu den 17 Prozent, die der weitaus charismatischere, visionäre und in den sozialen Bewegungen gut vernetzte junge Familienvater José María Villalta vor vier Jahren einfuhr.

Wenige Tage vor der Wahl ist nur klar, dass es erneut einen zweiten Wahlgang, diesmal am Ostersonntag, dem 1. April geben wird. Dem liberalen und linken Lager bleibt die Hoffnung, dass das Schreckgespenst einer Stichwahl zwischen Rechtspopulistisch (Castro) und Evangelikal (Fabricio Alvarado) dazu führt, dass noch viele Unentschlossene und Nichtwähler am Ende ihr Kreuzchen doch noch bei ihnen machen .

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