Brasilien / Politik

Brasilien: Schüsse auf Solidaritätscamp für Lula da Silva

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Das Widerstandscamp in Solidarität mit Lula da Silva in Brasilien ist nach seiner verstorbenen Ehefrau Marisa Leticia benannt
Das Widerstandscamp in Solidarität mit Lula da Silva in Brasilien ist nach seiner verstorbenen Ehefrau Marisa Leticia benannt

Curitiba. Zwei Verletzte sind nach einem Angriff mit Schusswaffen auf das Widerstandscamp gegenüber dem Gefängnis in Curitiba zu beklagen, in dem Brasiliens früherer Präsident Luiz Inácio Lula da Silva inhaftiert ist. Nach Zeugenaussagen, die von der brasilianischen Tageszeitung Brasil de Fato zitiert werden, fuhren am Samstagnacht gegen zwei Uhr mehrere Autos an dem Camp vorbei, deren Insassen Beleidigungen schrien und schließlich von einem der Fahrzeuge aus das Feuer auf die Anhänger Lulas eröffneten.

Tausende Sympathisanten Lulas halten seit dem 7. April, dem Tag seiner Gefangennahme, ein Widerstandscamp aufrecht und wollen dort bis zu seiner Freilassung ausharren. In einer Pressemitteilung betonten die Organisatoren, man lasse sich durch diesen "von Hass motivierten Mordversuch" nicht einschüchtern, alle Aktivitäten würden wie geplant fortgesetzt. Die Mahnwache sei eine friedliche Aktion und werde am 1. Mai durch eine massive Präsenz von Arbeitern verstärkt werden. Die Proteste "gegen die Ungerechtigkeit der Inhaftierung" Lulas vervielfachten sich und "treiben seine Henker zur Verzweiflung", heißt es weiter in der Mitteilung.

Für den 1. Mai haben die großen Gewerkschaftsdachverbände Brasiliens zu einer Kundgebung auf dem zentralen Platz Santos Andrade in Curitiba für 14 Uhr aufgerufen. Vorher sollen alle Teilnehmer vor das Gefängnis ziehen und Lula "einen guten Tag" wünschen. Wie das Volkskomitee zur Verteidigung Lulas und der Demokratie mitteilte, haben zahlreiche Künstler ihr Kommen zugesagt.

Abgeordnete des Parlaments des gemeinsamen Markts des Südens, Parlasur, wollen da Silva am 9. Mai im Gefängnis besuchen, auch um seine Haftbedingungen zu überprüfen. Ob sie die Erlaubnis erhalten, ist indes ungewiss: Die zuständige Richterin, Carolina Lebbos, hat seit Lulas Haftantritt bereits 25 Besuchsverbote erteilt. Unter den Betroffen waren neben mehreren brasilianischen Parlamentariern der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel, der Befreiungstheologe Leonardo Boff und die 2016 gestürzte Präsidentin Dilma Rousseff, selbst der Arzt Lulas wurde nicht vorgelassen.

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