Chile / Menschenrechte

UN-Bericht: Chilenischer Staat verantwortlich für Kindesmisshandlungen

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Chilenische Kinder unter Aufsicht der staatlichen Behörde Sename, die von der UN der Verletzung von Kinderrechten beschuldigt wird
Chilenische Kinder unter Aufsicht der staatlichen Behörde Sename, die von der UN der Verletzung von Kinderrechten beschuldigt wird

New York/Santiago de Chile. Experten der Vereinten Nationen haben bestätigt, dass der chilenische Staat schwerwiegend und systematisch die Rechte von Kindern und Jugendlichen verletzt hat, die sich unter der Kontrolle der Kinder- und Jugendbehörde Sename (Servicio Nacional de Menores) befinden. Das geht aus einem Bericht des UN-Kinderrechtskomitees hervor, den die Regierung Anfang August vorstellte.

Der 20-seitige Bericht basiert auf einem Besuch von UN-Experten vom 8. bis 12. Januar 2018, bei dem sie Kinder- und Jugendheime untersucht haben, die direkt von Sename verwaltet werden. Die Untersuchung war angefragt worden, nachdem 2016 die 11-jährige Lissette Villa an Misshandlungen durch die Betreuer in einem der Heime gestorben war.  Sie befragten über hundert Personen, darunter Minister, den Leiter des Obersten Gerichtshof, hochrangige Vertreter von Sename sowie Vertreter von Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen.

Aus dem UN-Dokument geht hervor, dass der Staat direkt für die Kinderrechtsverletzungen in den Heimen verantwortlich ist und damit 17 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention verletzt hat, wie etwa das Recht auf Leben, das Recht auf Schutz gegen Gewalt und das Recht, nicht von der Familie getrennt zu werden. Auch die Praxis der Familiengerichte wird scharf kritisiert, da eine Trennung von Eltern und Kind stets die letzte Möglichkeit sein müsse, de facto aber zu oft angeordnet würde. Vielen Richtern fehle die nötige Ausbildung für derartige Entscheidungen.

Die Experten empfehlen Chile deshalb, die Behörde zu reformieren, die Opfer zu entschädigen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die die psychische und körperliche Erholung sowie die soziale Integration der Kinder unterstützen. 

Justizminister Hernán Larraín beteuerte indes, die Empfehlungen der UN aufzunehmen und an einer radikalen Reform der Kinder- und Jugendhilfe zu arbeiten. 

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