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Rechercheprojekt zur Allende-Regierung in Chile gestartet

Berlin. Die Linkspartei-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung und der in Berlin ansässige Nachrichtenpool Lateinamerika wollen in einem Gemeinschaftsprojekt die Lebensgeschichten internationaler Unterstützer des demokratischen Sozialismus in Chile untersuchen. Dabei geht es vor allem um die Regierung des linksgerichteten Bündnisses Volksunion (Unidad Popular) von Präsident Salvador Allende, der in einem blutigen Militärputsch am 11. September 1973 gestürzt und ermordet wurde. Dem Putsch und der folgenden Diktatur unter General Augusto Pinochet fielen bis 1990 tausende Menschen zum Opfer.

"Die Unidad Popular wollte die Strukturen des bürgerlichen Staates umbauen, hin zu einer Demokratie mit mehr Bürgerbeteiligung. Das Bündnis trat ein für eine tiefgreifende kulturelle Erneuerung des Landes", fasst Uwe Sonnenberg vom Historischen Zentrum der Rosa-Luxemburg-Stiftung die damalige Situation zusammen.

Man habe gespürt, dass in Chile ein revolutionärer Prozess im Gange war, ein historischer Moment, um eine andere Gesellschaft aufzubauen, beschreibt die französische Soziologin Michèle Mattelart das Gefühl, das sie mit vielen Menschen aus der ganzen Welt teilte. Michèle Mattelart und ihr Mann, der Medienwissenschaftler Armand Mattelart, waren schon vor der Wahl Allendes als Wissenschaftler ins Land gekommen. Ab 1970 engagierten sie sich beim Aufbau alternativer Jugendzeitschriften und boten Weltliteratur zum kleinen Preis an. "Wir haben viel diskutiert. Zum Beispiel über die Rolle der Massenmedien, ihre Manipulation der öffentlichen Meinung. Wir begannen, ihnen mit eigenen Radiosendungen und Zeitungen etwas entgegenzusetzen", schildert die Solidaritätsaktivistin.

Unter den internationalen Unterstützerinnen und Unterstützern des demokratischen Sozialismus befanden sich auch bekannte Persönlichkeiten, wie der "Rote Bischof" Helmut Frenz, die Ordensschwester Karoline Meyer oder der brasilianische Pädagoge Paolo Freire, heißt es seitens der beteiligten Organisationen. "Viele einzigartige Lebensgeschichten sind in Vergessenheit geraten. Zwar gibt es zahlreiche Publikationen zu dieser Zeit, aber sie beschäftigen sich vor allem mit dem tragischen Scheitern der Unidad Popular", so Nils Brock vom Nachrichtenpool Lateinamerika, der das Rechercheprojekt "Allendes Internationale" leitet. "Er und sein Team haben mit zahlreichen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen auf der ganzen Welt gesprochen", heißt es in einer Pressemitteilung.

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