Indigene in Kolumbien beklagen Genozid

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Das Logo der indigenen Organisation Onic
Das Logo der indigenen Organisation Onic

Cali. Der Dachverband der indigenen Organisationen in Kolumbien (Organización Nacional Indígena de Colombia, ONIC) hat mindestens 13 Morde an führenden Aktivisten indigener Gemeinschaften in den letzten zehn Tagen beklagt. Es sei ein Genozid gegen indigene Menschen im Gange, so der Verband. Es gebe weiterhin eine "systematische und kategorische" Verletzung indigener Rechte.

  • Im südlichen Teil des Staates Nariño sind am Morgen des 2. Dezembers die Indigenen Héctor Ramiro García Guanga, Gründer des Ältestenrates der Volksgruppe der Awá in Ricaurte, und sein Sohn Arturo García ermordet worden. Der Angriff hinterließ vier weitere Awá schwerverletzt, darunter Miguel García, Koordinator der indigenen selbstverwalteten Schutzwache.
  • Nur wenige Kilometer entfernt wurde am selben Tag die 16-jährige Lola Cortes Taicus ermordet, Mitglied der indigenen Organisation UNIPA.
  • Im Kaffeeanbaugebiet des Verwaltungsbezirks Caldas wurde eine Familie der Volksgruppe Emberá-Chamí in ihrem Wohnhaus ermordet. Zu Tode kamen dabei der 63-jährige Musiker Serafín Días Guevara, María Gabriela Tapasco und Cesar Augusto Días Tapasco, Akademischer Rat der Schule des Dorfes. Verletzt wurden zudem die Tochter und eine Schwester der Ermordeten.
  • Am 29. November war aus derselben Organisation das Mitglied Omar Andrés Gañan Gañan ermordet worden. Alle Opfer gehörten zur Organisation Consejo Regional Indígena de Caldas (CRIDEC).
  • Am 28. November starben in der Region Cauca die Nasa-Indigenen Gladis Rivera Chapeño, Vorsitzende einer lokalen Organisation, und Henry Ulcue Fiscue bei einem Anschlag.
  • Am 1. Dezember wurden die Leichen von Aldemar Trochez, Yanet Mosquera und Rogelio Trochez gefunden. Die ONIC weist zudem auf die Morddrohungen gegen viele ihrer Mitglieder hin, unter anderem gegen den Vorsitzenden der Indigenen Autonomieregionen im Cauca. Alle im Cauca ermordeten Indigenen gehörten zur regionalen Organisation ACIN.
  • Am 24. November wurde ein junger Indigener Opfer einer Landmine in Antioquia. Luis Humberto Jumí Domicó überlebte nach einer Beinamputation.
  • Auch im Department Córdoba berichten die regionalen Organisationen von Morddrohungen und Angriffen gegen ihre Mitglieder.

Daher schreibt die ONIC von einem Genozid gegen ihre Mitglieder. Massaker und gezielte Morde zählten weiterhin zum Alltag der Indigenen in Kolumbien. Sie fordern die staatlichen Institutionen auf, alles ihnen mögliche zum Schutz der indigenen Gruppen im Land zu tun und bitten um internationale Hilfe. Zudem erinnert Alejandra Llano, Sprecherin der Onic, daran, dass die betroffenen indigenen Gruppen zu bedrohten Völkern gehörten. Gegenüber amerika21 betont sie: "Die Awá, Nasa, Embera Chamí und Zenú gehören zu den sowohl physisch als auch kulturell vom Aussterben bedrohten Ethnien unseres Landes." Insgesamt sind 38 Völker Kolumbiens in ihrer Existenz bedroht.

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