Chile / Wirtschaft

"Tintenfisch-Krieg" in Chile gefährdet Arbeitsplätze und Artenschutz

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Besonders beliebt bei Fischern: Der größte Tintenfisch, den es in Chile gibt, der Humboldt-Kalmar. Er kann bis zu 2,5 Meter lang und 50 Kilogramm schwer werden
Besonders beliebt bei Fischern: Der größte Tintenfisch, den es in Chile gibt, der Humboldt-Kalmar. Er kann bis zu 2,5 Meter lang und 50 Kilogramm schwer werden

Santiago. In Chile hat Präsident Sebastian Piñera sein Veto angekündigt, um das Verbot von Fischfang mit Schleppnetzen zu verhindern. Der konservative Politiker stellt sich damit gegen das Parlament und stützt die Interessen von großen Fischereikonzernen.

In Chile unterliegt der Fischfang strengen Quoten und anderen Reglungen wie Schutzzeiten und Fangart. Als vor mehr als einem Jahrzehnt die "Locos”, eine Großmuschelart, kurz vor dem Aussterben war und Fangverbot erlassen wurde, waren schnell die Sepien (Echte Tintenfische, span. Jibia) als Ersatz ausgemacht. Ihr Fleisch ist dem der Locos ähnlich und die Fischereikooperativen spezialisierten sich auf ihren Fang mit Leinen, Haken und Ködern.

Die industrielle Fischindustrie wurde ebenfalls auf dieses neue Produkt aufmerksam und begann mit Schleppnetzen den Fischereikooperativen den Fang streitig zu machen. Inzwischen halten sie 20 Prozent des Gesamtvolumens von jährlich etwa 200.000 Tonnen. Der gesamte Fang geht zur Weiterverarbeitung in die Fischereiindustrie, die den Fang der Kooperativen bevorzugt, weil durch die Schleppnetze die Tiere zusammengequetscht werden und das Fleisch dadurch eine geringere Qualität hat.

Ein bereits mit großer Mehrheit im Mai 2018 von beiden Kammern verabschiedetes Gesetz sieht vor, den Schleppnetzfang zu verbieten, um einer möglichen erneuten Überfischung einer Art vorzubeugen. Den Fischereikooperativen soll so zudem auf lange Zeit eine sichere Einkommensquelle garantiert werden.

Die Eigentümer der industriellen Fischfangflotten versuchten vergeblich Einfluss auf die neue Gesetzgebung auszuüben. Anstatt sich selbst mit der Regierung auseinanderzusetzen, drohen sie jetzt mit massiven Entlassungen. So protestieren seit zwei Wochen die lohnabhängigen Fischer im Interesse ihres Arbeitsplatzes gegen das Gesetz.

Seit einer Woche kommt es im Süden Chiles zu Straßensperren, brennenden Barrikaden und Straßenschlachten mit der Polizei. Die Fischereikooperativen bestehen indes auf das verabschiedete Gesetz, die angestellten Fischer wollen es verhindern.

Der Streit belastet auch das Verhältnis zwischen dem Parlament und dem Präsidenten. Nachdem das Gesetz vom Zweikammerparlament mit großer Mehrheit verabschiedet wurde, sehen die Abgeordneten und Senatoren im Veto des Präsidenten ihre Arbeit ad absurdum geführt. "Wenn der Präsident nun sein Veto einlegt, hat es keinen Sinn mehr, in Chile einen Kongress zu haben", pflichtete der Kleinfischervertreter Pascual Aguilera bei.

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