Langzeit-Forschungsprojekt untersucht Klimawandel im Amazonas

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Das Mega-Projekt wird etwa 70 km von Manaus im Amazonas realisiert. Animation: Universität São Paulo. (screenshot)
Das Mega-Projekt wird etwa 70 km von Manaus im Amazonas realisiert. Animation: Universität São Paulo. (screenshot)

Manaus/München. Ein internationales Forschungsteam soll in den kommenden zehn Jahren in einem groß angelegten Freilandversuch die Auswirkungen des Klimawandels im Regenwald untersuchen. Hierbei soll ein Teil des 25.000 Hektar großen Versuchsgeländes im Amazonas künstlich mit Kohlenstoffdioxid (CO2) angereichert und die entstehenden Konsequenzen analysiert werden.

Das "AmazonFACE" genannte Vorhaben sei das erste seiner Art in den Tropen, erläutert Professorin Anja Rammig von der TU München, die die Wechselwirkungen zwischen Landoberfläche und Atmosphäre untersucht. Sie arbeitet gemeinsam mit ihrem brasilianischen Kollegen David M. Lapola von der Universität Campinas, Brasilien, an dem internationalen Großprojekt. FACE steht für "Free Air CO2 Enrichment". Es beschreibt einen technischen Versuchsaufbau, der im Freiland eine erhöhte Kohlenstoffdioxid-Konzentration erzeugt. So wird realitätsnah untersucht, wie sich künftig zu erwartende höhere CO2-Werte auf das Ökosystem auswirken.

Der Amazonas-Regenwald speichert große Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases CO2. Aber Rodungen, Landwirtschaft und steigende Temperaturen bringen diese Fähigkeit des tropischen Waldes an eine Grenze. Es ist unklar, wie lange der Wald noch eine Kohlenstoffsenke bleibt. 

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Eine Vielzahl meterhoher Türme soll die Bäume mit CO2 "einnebeln". Animation: Universität São Paulo. (screenshot)
Eine Vielzahl meterhoher Türme soll die Bäume mit CO2 "einnebeln". Animation: Universität São Paulo. (screenshot)

Auf der für den riesigen Freilandversuch vorgesehenen Fläche von 25.000 Hektar existiert bereits eine Forschungsstation, die vom brasilianischen Amazonasforschungs-Institut INPA seit rund 20 Jahren betrieben wird. Für das FACE-Experiment sollen mehrere Ringe aus je zehn filigranen stählernen Türmen entstehen, die mit Düsen versehen den Regenwald vom Boden bis hinauf in die Baumspitzen auf zirka 35 Metern Höhe mit CO2 "düngen".

Es kann kritisiert werden, dass die Installation des enormen Versuchsaufbaus mit seinen meterhohen Stahlkonstruktionen sowie die Unterhaltung des Projekts im intakten Tropenwald selbst große Mengen Treibhausgase und andere Umweltschäden verursacht.

Derzeit läuft das Experiment im Kleinformat mit nach oben offenen Klimakammern von rund zwei Metern Höhe und Durchmesser, in denen kleinere Bäume des Regenwalds mit CO2 gedüngt werden. Das Team vom INPA in Manaus überprüft mehrmals pro Woche, wie sich beispielsweise die Blätter entwickeln oder beobachtet mit speziellen Kameras das Wurzelwachstum im Boden.

Das Projekt soll im Amazonas-Regenwald, rund 70 Kilometer nördlich von Manaus, zehn Jahre lang Daten erheben. "Wir haben bereits festgestellt, dass die bisherigen Modelle, mit denen wir in der Forschung weltweit arbeiten, wichtige Prozesse vernachlässigen", sagt Professorin Rammig. Mit dem Langzeit-Experiment werde man "viele neue Erkenntnisse für die Modellentwicklung gewinnen. Sie werden dazu beitragen, verlässlichere Vorhersagen zu treffen, die für globale Klimaprojektionen relevant sind".

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