Kolumbien: Kongress macht Weg für Großhafen in Tribugá frei

Bogotá. Kolumbiens Kongress hat vergangene Woche den "Nationalen Entwicklungsplan" bewilligt, der in Artikel 78 den Bau mehrerer Projekte vorsieht. Unter diesen befindet sich auch der kontrovers diskutierte Hafen von Tribugá im nordwestlichen Departement Chocó. Die nördliche Pazifikküste Kolumbiens gilt als eine der Regionen weltweit mit der größten Biodiversität. Kritiker warnen vor den ökologischen und sozialen Folgen eines solchen Mega-Projekts.

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Wie hier in Buenaventura könnten Containerschiffe bald in Tribugá zum Alltag gehören
Wie hier in Buenaventura könnten Containerschiffe bald in Tribugá zum Alltag gehören
 

Seit 1997 wird schon der Bau eines Hafens dieser Größe diskutiert. In den vergangenen Jahren konnte das Bauprojekt bislang verhindert werden, indem die Region zu einem Naturschutzgebiet erklärt wurde. Der nun geplante Hafen würde ein Gebiet von 3,6 Kilometern Länge umfassen und mit einer Wassertiefe von 15 bis 20 Metern gebaut werden. Dies ermöglicht seine Nutzung durch die größten Containerschiffe mit einem Gewicht von bis zu 200.000 Tonnen. Damit würde der Hafen von Tribugá den bisher größten des Landes in Buenaventura übetreffen und zu den größten in Lateinamerika gehören.

Die betroffene Region rund um die Gemeinde Nuquí ist gleichzeitig eine der ärmsten des Landes. Nach Angaben des nationalen Statistikamts Kolumbiens ist die Grundversorgung mit Strom und fließendem Wasser in der Region zu 45 Prozent nicht gewährleistet. Die überwiegend afrokolumbianischen und indigenen Gemeinden leben von traditionellem Fischfang, Ökotourismus und der Nutzung der Mangrovenwälder. Kritiker des Projekts warnen, dass der Bau des Hafens nicht nur fatale ökologische Folgen hätte, sondern auch die lokale Bevölkerung ihrer Lebensgrundlage berauben würde.

Über 70 Nichtregierungsorganisationen, darunter der WWF und Birdlife International, sowie mehrere Biologen, Anthropologen und Anwälte haben sich indes zusammengeschlossen und fordern in einem Brief an Präsident Duque, das Bauprojekt zu verhindern. Umweltexperten zur Folge müssten etwa 1.000 Hektar Mangrovenwälder dem Hafen weichen, der zudem durch eine neu zu bauende Autobahn mit dem Inneren des Landes verbunden werden müsste. In unmittelbarer Nähe zu Tribugá befindet sich der Nationalpark Utría, wo sich ein für die kolumbianische Pazifikküste äußerst seltenes Korallenriff befindet. Bekannt ist die Region außerdem dafür, dass sich dort zwischen September und November zahlreiche Buckelwale aufhalten.

Die Abgeordnete der grünen Partei, Catalina Ortiz, kritisiert, es sei "absurd für das Land, einen Hafen zu bauen, den man nicht braucht". Vielmehr solle das Geld für den Neubau dieses Hafens in den Ausbau des bereits bestehenden Hafens in Buenaventura investiert werden. In einem Video auf ihrem Twitter-Kanal spricht die Abgeordnete von einer "Tragödie" und ruft zu weiterem Widerstand gegen das Projekt auf.

Gegen das Projekt hatte sich unter anderem die Umweltaktivistin Francia Márquez und die afrokolumbianischen Gemeinde-Organisationen Aconc und PCN stark gemacht. Auf sie ist am Abend der Bewilligung ein gewalttätiger Angriff mit Schusswaffen und Handgranaten verübt worden.

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