Proteste nach Gruppenvergewaltigung durch Polizisten in Mexiko

Junge Frau soll von mehreren Polizisten vergewaltigt worden sein. Massive Demonstrationen von Frauen die gesamte Woche über

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Frauendemonstration am Freitag in Mexiko-Stadt (Screenshot)
Frauendemonstration am Freitag in Mexiko-Stadt (Screenshot)

Mexiko-Stadt. Anlässlich einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung einer 17-Jährigen durch vier Mitglieder der Polizei für Bürgersicherheit, SSC-CDMX, kam es in dieser Woche zu massiven Protestaktionen in der mexikanischen Hauptstadt. Unter dem Slogan "Sie passen nicht auf uns auf, sie vergewaltigen uns!" sind am Montag und Freitag dieser Woche Hunderte von Frauen durch die Straßen von Mexiko-Stadt gezogen. Derweil gibt es Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen zu verschleppen.

Die junge Frau hatte am 3. August frühmorgens zusammen mit einem Freund ein privates Taxi genommen, das sie zwei Straßen von ihrem Haus entfernt absetzte. Auf dem Weg zu ihrem Wohnhaus wurde sie von einem Polizeiwagen der SSC angehalten. Die vier Polizisten sollen das Mädchen eingeschüchtert haben, woraufhin es in ihrer Verzweiflung in der Suche um Hilfe erfolglos bei fremden Leuten klingelte. Zwei der vier Polizisten sollen dann aus dem Polizeiwagen ausgestiegen sein und das Mädchen gezwungen haben, in das Auto einzusteigen. In diesem soll sie dann schließlich missbraucht worden sein.

Die 17-Jährige hatte noch am selben Tag um 15:00 Uhr eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft aufgegeben. Medienberichten zu Folge wurde sie an dem Tag jedoch nicht medizinisch untersucht, sondern erst drei Tage später am 6. August. Dann mit einem negativen Ergebnis, da entscheidende Indizien eines Missbrauchs nicht mehr nachweisbar waren.

Im Anschluss behauptete die oberste Staatsanwältin von Mexiko-Stadt, Ernestina Godoy, vor den Medien, dass die vier Polizisten während der laufenden Ermittlungen bereits suspendiert worden seien. Der Sicherheitsminister für Mexico-Stadt, Jésus Orta Martínez, sagte hingegen, dass sich die Polizisten nach wie vor im Dienst befänden. Tage später wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft vertrauliche Daten über das Opfer an die Presse weitergegeben hat. Dies habe die junge Frau davon abgehalten, ihre Anzeige zu bestätigen.

Im Laufe der Woche kam es dann immer wieder zu Protestaktionen aufgrund der Vorkommnisse. So haben am Freitag Demonstrantinnen Teile des Polizeireviers im Bezirk Zona Rosa in der Hauptstadt in Brand gesetzt und eine Überwachungskamera zerstört. Auch eine Haltstelle des öffentlichen Metrobusses wurde von einer Gruppe von Frauen in Brand gesetzt. Zugleich schrieben sie an mehrere Wände: "Ihr habt Glück, dass wir Gerechtigkeit und nicht Rache verlangen!"

Am Montag davor endete die Demonstration mit einer Kundgebung vor dem Gebäude der SSC. Dabei zerschlugen die Demonstrantinnen eine Glastür und schrieben auf die Fassade Parolen wie: "Wir werden Euch den Schwanz abschneiden!", "Die Bundespolizei, ist der Vergewaltiger!" und "Die Polizei passt auf mich nicht auf, sondern meine Freundinnen!". Eine der Demonstrantinnen hielt einen rot gefärbten Schweinekopf als Symbol für die Polizisten hoch.

Sie forderten zudem, dass die Täter vor Gericht gestellt werden und mehr Sicherheit für Frauen garantiert wird. Unter den Demonstrantinnen waren auch Mütter von Frauen, die auf Grund von häuslicher Gewalt ums Leben gekommen sind, so wie Lesvy Berlín. Die junge Frau wurde 2017 auf dem UNI-Campus in Mexiko-Stadt von ihrem Freund erwürgt. Der Täter ist bis heute nicht gerichtlich verfolgt worden. Die Mutter von Lesvy sagte bei der Protestaktion: "Das hier ist der Beweis dafür, wie die Frauen die Gewalt gegen sie in diesem Land satthaben. Es vergeht kein Tag ohne Meldungen über Frauen, die ermordet, verschwunden oder vergewaltigt wurden."

Sowohl die Staatsanwältin als auch die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Scheinbaum, verurteilten die Frauenproteste indes als Provokation. Zudem behaupten die vier mutmaßlichen Täter ihrerseits, "nichts mit der Sache zu tun zu haben".

Das Menschrechtsorganisation Centroprodh schrieb dagegen über ihren Twitteraccount: "Die sexuellen Angriffe und Misshandlungen von Frauen von Seiten der Polizei steigen in den letzten Jahren stark an. Jede Anzeige muss ermittelt werden. Die Frauen müssen das Schweigen brechen und Gerechtigkeit verlangen."

Laut Informationen der Regierung von Mexiko-Stadt sind die Morde an Frauen in manchen Bezirken zwischen 2017 und 2018 um bis zu 150 Prozent gestiegen, ohne dass die Regierungen bis heute konkrete Maßnahmen dagegen unternommen haben.

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