Gewalt, Korruption und Straflosigkeit beherrschen Energieindustrie in Honduras

Bericht über mutmaßlichen Drahtzieher des Mordes an Berta Cáceres wirft Fragen über Rolle von Entwicklungsbanken und Investoren auf

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Copinh fordert die Bestrafung der Anstifter des Mordes an Berta Caceres
Copinh fordert die Bestrafung der Anstifter des Mordes an Berta Caceres

Washington/Genf. In Honduras hat ein neuer Untersuchungsbericht US-amerikanischer Menschenrechtsorganisationen massive Gewalt und Korruption in der Energiewirtschaft von Honduras beklagt. Straftaten bis hin zu Morden an Kritikern blieben weitgehend straffrei, heißt es in dem 28-seitigen Bericht, der sich vor allem mit dem Fall Roberto David Castillo Mejía befasst.

Der Geschäftsmann, Absolvent der US-Militärakademie Westpoint, Ex-Geheimdienstoffizier der honduranischen Armee sowie Ex-Angestellter der staatlichen Energiegesellschaft Enee gilt als einer der Drahtzieher des Mordes an der honduranischen Menschenrechtsverteidigerin und Leiterin der indigenen Organisation Copinh, Berta Cáceres. Castillo war Geschäftsführer des Unternehmens Desarrollos Energéticos S.A. (Desa) und ist offenbar bis heute dessen Aufsichtsratsvorsitzender.

Castillo Mejía wurde am 2. März 2018, genau zwei Jahre nach dem Mord an Cáceres, festgenommen. Gegen mutmaßlich weitere Hintermänner und Auftraggeber wird bisher nicht ermittelt. Ein Gericht in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa hatte in seiner mündlichen Urteilsbegründung im Prozess gegen sieben Auftragsmörder und Mittelsmänner am 30. November 2018 festgestellt, dass hochrangige Funktionäre der Desa von dem Mordkomplott wussten und involviert waren.

Die Desa weist das entschieden zurück und bestreitet trotz eindeutiger Chatprotokolle jegliche Beteiligung Castillos. Das Urteil vom November 2018 ist bis heute nicht rechtskräftig. Auch die Hauptverhandlung gegen Castillo verzögert sich. Sollte das so bleiben, muss der Manager im März 2020 womöglich auf freien Fuß gesetzt werden.

Gegen ihn und 15 weitere Beschuldigte läuft seit April 2019 ein weiterer Prozess, der von der internationalen Unterstützungsmission gegen Korruption und Straflosigkeit in Honduras (Maccih) angestoßen wurde, der aber auch stagniert.

Der neue Bericht aus den USA vereint nun Erkenntnisse aus beiden Verfahren und ergänzt sie mit eigenen Recherchen zur Vorgeschichte Castillos. Dazu gehört auch eine mögliche Verstrickung in den internationalen Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht.

Das Dossier deckt zudem auf, dass Castillo an mehreren Unternehmen – sechs davon in Honduras und zwei in Panama – beteiligt war oder immer noch ist. Deren Geschäftsführung bedürfe dringend einer weiteren Untersuchung.

Am brisantesten sind dabei womöglich die Aktivitäten des panamaischen Konzerns Potencia y Energía de Mesoamérica S.A. (Pemsa), der neben der Familie Atala Zablah Hauptanteilseigner der Desa war. Vertreten durch David Castillo übernahm die Pemsa das Solarunternehmen Proderssa. Die honduranische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Proderssa von Strohmännern des Drogenkartells Los Cachiros der Familie Rivera Maradiaga gegründet worden ist. Möglicherweise hat Proderssa zwölf Tage vor dem Ende der Amtszeit des Präsidenten Porfirio Lobo einen Liefervertrag mit der staatlichen Energiegesellschaft Enee unterzeichnet, bei dem – wie im Fall des Stromvertrages für das Wasserkraftwerk Agua Zarca – Korruption im Spiel gewesen sein könnte. Und wie bei Agua Zarca waren bei den Solarparks der Proderssa im Süden von Honduras erneut internationale Investoren und Entwicklungsbanken mit von der Partie, konkret aus Norwegen, den Niederlanden, Finnland und von der Weltbank.

Das US-Dossier zeigt ein Muster, nach dem Unternehmen, an denen Castillo beteiligt war, immer wieder lukrative Verträge mit dem Staat in Finanzinstrumente verwandelten, um an internationale Investitionen und öffentliche Gelder von Entwicklungsbanken heranzukommen, die dadurch möglicherweise indirekt in kriminelle Aktivitäten, Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Straflosigkeit verstrickt werden.

Die Mutter und Töchter von Berta Cáceres haben sich indes in der vergangenen Woche nach Mississippi im US-Bundesstaat Luisiana aufgemacht: Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet, wollen sie einen Gerichtsbeschluss erreichen, der das US-Bankhaus Hancock Witney zwingt, Daten über den Kauf einer Luxusvilla herauszugeben. Castillo hatte sie im November 2016 mittels einer Anzahlung von 400.000 US-Dollar und einer Hypothek über 1,04 Millionen US-Dollar erworben. Cáceres’ Familie erhofft sich davon weitere Indizien für den laufenden Mordprozess gegen Castillo. Seine Ehefrau Tanya Romero-Baca, eine US-amerikanische Staatsbürgerin, will sich gegen die Herausgabe zur Wehr zu setzen.

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