Chile: Familie von Catrillanca fordert Strafe für ehemaligen Innenminister

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Eine Frau hält ein Poster, auf dem der ermordete Camilo Catrillanca zu sehen ist.
Fordern Gerechtigkeit: Die Familie Catrillancas will Innenminister Andrés Chadwick zur Rechenschaft ziehen.

Santiago. Die Familie des von Polizisten ermordeten Mapuche Camilo Catrillanca fordert, dass der ehemalige Innenminister Andrés Chadwick juristisch zur Rechenschaft gezogen wird. Im Rahmen einer Demonstration am 4. November sagte der Vater: "Chadwick muss wegen der Situation, die sich während des Camilo-Prozesses ereignet hat, strafrechtlich verfolgt werden. Und außerdem wegen der vielen Toten, die wir heute im Land gesehen haben." Die Familienangehörigen betrachten Andrés Chadwick als politisch Verantwortlichen für den Mord.

Camilo Catrillanca war am 14. November 2018 auf dem Weg von der Feldarbeit mit einem Kopfschuss von hinten getötet worden. Die sich zu dem Zeitpunkt im Einsatz befindende und mittlerweile aufgelöste Spezialeinheit der Polizei "Dschungelkommando" hatte nach eigenen Angaben Autodiebe auf dem Gebiet der indigenen Mapuche-Gemeinde Temucuicui verfolgt. Zahlreiche Videoaufnahmen haben diese Aussage mittlerweile widerlegt. In Folge der Ermittlungen und Veröffentlichungen mussten mehrere hochrangige Polizisten und Politiker zurücktreten, da ihre Behauptungen als falsch aufgedeckt wurden.

Andrés Chadwick war zum Zeitpunkt des Mordes an Catrillanca Innenminister und damit auch für die Polizeieinsätze gegen die im Süden Chiles lebenden indigenen Mapuche verantwortlich. Die Mapuche kämpfen seit Jahrzehnten um die Rückgabe des vom chilenischen Staat und Siedlern geraubten Lands. Aktivisten beklagen seit Jahren, dass die Gemeinden dort militarisiert werden. Immer wieder werden Gemeinden von mit Kriegswaffen militärisch ausgestatteten Polizeieinheiten "durchsucht". Auch das "Dschungelkommando" war eine in Kolumbien ausgebildete paramilitärische Einheit, die nur in von Mapuche bewohnten Gebieten zum Einsatz kam. Chadwick musste in Folge des landesweiten Aufstands, der immer noch im Gange ist, zurücktreten und wurde durch Gonzalo Blumel ersetzt. Während der Proteste gegen den Neoliberalismus im Land sind nach offiziellen Angaben 20 Menschen ums Leben gekommen, mindestens acht von ihnen starben an den Folgen von Gewalt durch Sicherheitskräfte.

Der Prozess um den Mord an Catrillanca soll am 26. November beginnen. Dabei werden acht Angeklagte, vor allem die am Einsatz beteiligten Polizisten, vor Gericht stehen. Ihnen drohen Haftstrafen. Unter den 73 Zeugen ist auch Andrés Chadwick.

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