Argentinien: Netflix-Serie rollt Fall Nisman auf

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Gedenkstätte an die Opfer des Attentats auf das jüdisch-argentinische Gemeindezentrum (AMIA) vor der israelischen Botschaft in Buenos Aires, Argentinien
Gedenkstätte an die Opfer des Attentats auf das jüdisch-argentinische Gemeindezentrum (AMIA) vor der israelischen Botschaft in Buenos Aires, Argentinien

Mainz/Buenos Aires. Fünf Jahre nach dem Tod von Alberto Nisman in Argentinien hat die Doku-Reihe "The Prosecutor, the President and the Spy" erneut international Aufmerksamkeit auf den Fall um den unaufgeklärten Tod des Staatsanwalts gelenkt. Der britische Filmemacher Justin Webster und die deutsche Gebrüder Beetz Filmproduktion fügen in ihrer sechsteiligen Netflix-Dokumentation einzelne Ermittlungsstränge zusammen, ein endgültiges Fazit zu der zentralen Frage nach Mord oder Selbstmord ziehen die Filmemacher nicht.

Der jüdische Staatsanwalt war seit 2004 Sonderermittler in dem Fall um das Attentat auf das jüdisch-argentinische Gemeindezentrum Amia am 18. Juli 1994. Bei dem Anschlag mit einer Autobombe in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires waren 85 Personen getötet und mehr als 300 verletzt worden. Bis heute wurde in dem Fall kein Urteil gesprochen.

Vier Tage bevor Nisman am Sonntag, den 18. Januar 2015, mit einem Kopfschuss tot in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden wurde, hatte er in einem Interview mit dem Fernsehsender TN Anschuldigungen gegen die damalige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner erhoben. Sie habe gemeinsam mit Außenminister Héctor Timerman Verantwortlichkeiten iranischer Regierungskreise für den Terroranschlag verschleiert. Grund dafür sei ein geplantes Abkommen mit dem Iran gewesen.

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Längst ist der Fall hochpolitisch und spiegelt die Polarisierung zwischen Regierungsbefürwortern und -gegnern im Land wieder. Beharren die einen auf Selbstmord aufgrund unzureichender Beweise Nismans und des öffentlichen Drucks auf seine Person, geht die andere Seite von einem Schachzug der Kirchner-Regierung aus, um Verantwortlichen für das Amia-Attentat Straffreiheit zu gewähren. Ein Geflecht aus persönliche Beziehungen, geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen, Abhängigkeiten sowie Einflüsse jenseits der Politik tauchen in der Serie als mögliche Erklärungen auf und werden wie ein Puzzle zusammengesetzt.

Zu Wort kommen darin Freunde und Wegbegleiter Nismans, Rechtsanwälte, Richter, Kollegen sowie Zeugen und Angehörige der Opfer des Attentats. Der Ex-Agent des argentinischen Geheimdienstes, Antonio "Jaime" Stiuso, gibt Erklärungen ab ebenso wie Nismans IT-Fachmann Diego Lagomarisono, der ihm nach eigenen Angaben eine Waffe ausgeliehen habe, mit der später der tödliche Schuss ausgeführt worden war. Lagomarsino soll laut Anklage von Bundesrichter Julián Ercolini "wesentlich am Mord beteiligt" gewesen sein, die Ermittlungen laufen.

Am 31. Januar wird die sechsteilige Serie erstmals auf ZDF.info ausgetrahlt. Die deutsche Fassung ist bereits in der ZDF-Mediathek verfügbar.

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