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Medikament aus Kuba als Schlüssel zur Behandlung des Coronavirus?

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"Wir praktizieren es wie Fidel sagte mit Fakten, nicht mit schönen Worten."
Kubas Außenminister, Bruno Rodríguez, zitiert bezüglich der Hilfe für die Behandlung des Corona-Virus Fidel Castro: Wir praktizieren es, "mit Fakten, nicht mit schönen Worten"

Havanna/Peking. Das kubanische Pharmakon "Rekombinantes Interferon alfa 2b (IFNrec)" ist eines von 30 ausgewählten Medikamenten, um das Coronavirus in China zu bekämpfen. Es soll laut Medienberichten bisher bereits über 1.500 Patienten geheilt haben. Seit dem 25. Januar wird es in dem chinesisch-kubanischen Werk Chanheber in der Provinz Jilin produziert, wie die kubanische Botschaft in China mitteilte.

Spezialisten zufolge wurde es bisher bei der Behandlung von Virusinfektionen wie HIV/AIDS, rezidivierenden respiratorischen Papillomatosen, einem Atemwegstumor,  sowie Hepatitis B und C eingesetzt. 1986 von kubanischen Forschern des Zentrums für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) entwickelt, hat es seit seiner Einführung vor mehr als 30 Jahren tausenden Patienten geholfen. Es verhindert die Vervielfältigung des Virus in den Zellen, was auch bei der Behandlung von unterschiedlichen Krebsarten Erfolge erzielt. Durch einen Technologietransfer im Jahr 2003 vom CIGB nach China wurde das chinesisch-kubanische Joint Venture Changheber in der Stadt Changchung gegründet und ein Jahrzehnt später eine moderne Produktionsstätte eingeweiht. Dort werden biotechnologische Produkte entwickelt und produziert, so auch das gegen das Coronavirus verwendbare Medikament IFNrec. Dieses hatte 2012 in Kuba den nationalen Technologieinnovationspreis erhalten, der vom kubanischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Umwelt vergeben wird, sowie 2013 den nationalen Gesundheitspreis.

Die Entscheidung der chinesischen Gesundheitsbehörden zugunsten des Mittels liegt in der Wirkungsweise des Coronavirus, der die natürliche Produktion von Interferon im Körper reduziert. Das kubanische Medikament kann dieses Defizit ausgleichen und das Immunsystem von Patienten stärken, die an der infektiösen Atemwegserkrankung leiden.

Bei einem Treffen zwischen dem kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel und dem chinesischen Botschafter Chen Xi in Havanna am vergangenen Freitag unterstrich Díaz-Canel den Willen Kubas, China bei allen nötigen Schritten im Kampf gegen das Virus zu begleiten. Zudem betonte er, dass China die "nötige Erfahrung und fähige Führung habe, um Widrigkeiten zu überwinden", und lobte deren großes Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit dem Virus.

Kubas Außenminister Bruno Rodríguez twitterte am vergangenen Montag, dass es die Solidarität sei, die Kuba von den anderen Ländern unterscheide. 56 Jahre medizinische Kooperation mit Präsenz in 164 Ländern und der Partizipation von über 4.000 Medizinern sei der Beweis dieses Prinzips, das Kuba auch weiterhin verteidigen werde: "Wir praktizieren es, wie Fidel sagte, mit Fakten, nicht mit schönen Worten." Am 23.03.1963 war erstmalig eine Brigade von 56 Medizinern in Algerien eingesetzt.

Bereits Anfang Februar wurde das US-amerikanische Antivirusmedikament Remedevisir als mögliche Lösung für das Coronavirus gehandelt und an über 700 Patienten getestet. Ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt, hatte es erfolgversprechende Wirkung bei anderen Coronaviren wie SARS oder MERS gezeigt und die Krankheitssymptome der Behandelten innerhalb kurzer Zeit gelindert. Derzeit ist das Medikament lediglich für klinische Tests zugelassen. Entsprechende Studien werden aktuell an der chinesischen Akademie und in Krankenhäusern in Wuhan durchgeführt. Deren Ergebnisse müssen zunächst abgewartet werden. Bereits jetzt hat die chinesische Regierung jedoch ein nationales Patent auf das Medikament angemeldet, welches durch die US-amerikanische Firma Gilead Sciences entwickelt worden war und aktuell für Debatten um den Umgang mit geistigem Eigentum sorgt.

Laut letzten Zahlen liegen derzeit über 77.000 bestätigte Infektionen aus 26 Ländern vor, davon mehr als 74.000 in China. Über 2.200 davon verliefen bereits tödlich.

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