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Mexiko: WHO warnt vor schweren Covid-19-Fällen aufgrund der Diabetes-Epidemie

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Die Allianz für Ernährungsgesundheit ruft die Bevölkerung auf, angesichts der Corona-Pandemie auf gute Ernährung zu achten
Die Allianz für Ernährungsgesundheit ruft die Bevölkerung auf, angesichts der Corona-Pandemie auf gute Ernährung zu achten

Mexiko-Stadt. Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (OPS) der WHO hat davor gewarnt, dass in Mexiko die Covid-19-Erkrankungen häufiger schwere Verläufe nehmen. Dies aufgrund der Diabetes-Epidemie im Land und anderer Krankheiten im Zusammenhang mit Adipositas (Fettleibigkeit). Während in China rund fünf Prozent der Covid-Patienten Intensivbehandlung benötigten, rechnet die mexikanische Bundesregierung deshalb mit sechs Prozent schweren Verläufen.

Cristian Morales Fuhrimann, Repräsentant des OPS-Büros in Mexiko, schätzt diese Prognosen als zu optimistisch ein: "Es könnte etwas mehr sein, weil Mexiko im Gegensatz zu anderen Ländern eine sehr hohe Rate an Typ-2-Diabetes Mellitus aufweist sowie eine Adipositasrate, die mit Bluthochdruck und Atemproblemen verbunden ist". Laut Morales wären sieben Prozent schwere Verläufe keine Überraschung. Und die ersten Todesfälle in Mexiko geben den Befürchtungen recht: Die Hälfte der bisher 20 an der durch das neuartigen Coronavirus verursachten Lungenkrankheit verstorbenen Patienten litten unter diesen Vorerkrankungen, darunter auch Personen Anfang 40.

Mexiko ist der größte Verbraucher von ultra-verarbeiteten Produkten in Lateinamerika, einschließlich zuckerhaltiger Getränke, und hat gleichzeitig die höchste Rate an Diabetes weltweit. Rund 90 Millionen Mexikaner sind übergewichtig und zehn Prozent der Bevölkerung leiden an Diabetes ‒ Tendenz seit der Unterzeichnung des Nordamerikanischen Freihandelsvertrags 1994 stark zunehmend.

Im Jahr 2016 erklärte das Land eine epidemiologische Warnung aufgrund der hohen Rate an Diabetes und Fettleibigkeit, lange jedoch ohne Maßnahmen zu deren Eindämmung zu ergreifen. Aufgrund des Drucks von Organisationen wie der Allianz der Ernährungsgesundheit wurde 2019 ein griffiges Gesetz zur Etikettierung der gesundheitsschädlichen Produkte erarbeitet.

Trotz Konsulationsprozessen mit der Nahrungsindustrie versuchten die Unternehmen, die Gesetzesgrundlage zu Warnhinweisen mit allen Mitteln zu verhindern. Nachdem alle Einsprachen scheiterten, war der jüngste Versuch der Industrie, ausgerechnet die Corona-Krise sich zunutze zu machen: Der Verband der Industriekammern Concamin argumentierte, die Warnhinweise sollten wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen drei Jahre verschoben werden.

Doch das Gesetz wurde am 28. März publiziert und ist somit rechtskräftig, auch wenn es je nach Produkt eine Übergangsfrist für die Etikettierung von insgesamt fünf Jahren beinhaltet. Die Allianz für Ernährungsgesundheit begrüßt diese neue Gesetzeslage als wichtigen Schritt zur Bekämpung der Adipositas und der Diabetes-Epidemie, die jährlich rund 200.000 Todesfälle verursache, durchschnittlich 22 pro Stunde. 40.000 Todesfälle pro Jahr seien mit dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken verbunden.

Eine der Konsumentenorganisationen bedachte jüngst die Firma Nestlé mit einem Negativpreis aufgrund ihrer auf Kinder und Jugendliche ausgerichteten Werbung für gesundheitsschädliche Produkte. Zudem ist auch die Babynahrung in Mexiko in der Kritik: Die im Land weit verbreiteten Milchpulver für Kleinkinder enthalten zum Teil mehr Zucker als Süßgetränke wie Coca Cola.

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