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Mexiko erlaubt Anlegen eines Kreuzfahrtschiffs trotz Coronavirus-Verdacht

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Die MSC Meraviglia gehört zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt
Die MSC Meraviglia gehört zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt

Cozumel. Mexikanische Behörden haben dem Kreuzfahrtschiff MSC Meraviglia mit 6.000 Passagieren am Donnerstag gestattet, in Cozumel an der Karibikküste anzulegen. Das Schiff wurde zuvor in Jamaika und auf den Kaimaninseln am Andocken gehindert, weil zwei Personen an Bord, ein Küchenmitarbeiter und ein 13-jähriges Kind, an einer Atemwegserkrankung litten ‒ allerdings ohne den Nachweis des Coronavirus.

Laut dem Besitzer der MSC Meraviglia, dem italienisch-schweizerischen Großreeder Mediterranean Shipping Company, sei bei dem Matrosen eine Influenza Typ A diagnostiziert worden. Die mexikanischen Behörden haben weitere medizinische Laboruntersuchungen der beiden Patienten angeordnet. Bis zur Bekanntgabe der Resultate liegt das Schiff vor Anker, ohne dass Besatzung oder Touristen an Land gehen. Die Kreuzfahrt startete am 17. Februar in Miami und umkreiste auf der Reise regelrecht die Insel Kuba, ohne dort anzulegen. Dies aufgrund der 2019 verschärften Blockade der US-Regierung gegen Kuba.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador unterstützt die Entscheidung, dass das Kreuzfahrtschiff trotz Ängsten in der Bevölkerung von Cozumel anlegen durfte: "Wir können nicht einfach die Häfen schließen. Es wird ein Überprüfungsprotokoll angewendet, aber niemandem kann die Ankunft verweigert werden. Wir können nicht unmenschlich handeln.“ Der Präsident bedauerte, dass es diskriminierende Haltungen gibt: „Stellen Sie sich vor, dass mehrere Tausend Menschen nicht von Bord gehen können, die Verzweiflung und alles, was dies impliziert. Wo ist unser Humanismus geblieben, wenn doch die Wissenschaft so weit fortgeschritten ist, warum diese rückschrittlichen Einstellungen?“

Die Laborresultate der zwei Personen an Bord des Schiffs ergaben am gestrigen Freitag, dass sie nicht infiziert sind.

Die Behörden betonen ihrerseits, dass sie sich weiter auf mögliche Fälle des Coronavirus vorbereiten. Keine einfache Aufgabe, ist doch das in den letzten Jahrzehnten neoliberaler Politik stark vernachlässigte und ausgehöhlte öffentliche Gesundheitswesen in keinem guten Allgemeinzustand. Und auch wenn die neue Regierung Besserung und flächendeckende Gesundheitsversorgung verspricht, sind die defizitäre Infrastruktur und Engpässe bei der Versorgung mit Medikamenten weiterhin ein großes Problem. Experten befürchten zudem, dass die Diabetes-Epidemie im Land und zahlreiche Allergien aufgrund der Umweltverschmutzung zu vermehrten schweren Verläufen des Coronavirus beitragen würden.

Unterdessen sind in Mexiko selbst zwei Coronavirus-Fälle registriert worden. Hugo Lopez-Gatell Ramírez, Unterstaatssekretär für Prävention und Gesundheitsförderung, gab gestern auf einer Pressekonferenz bekannt, dass ein Mann in Mexiko-Stadt, der sich kürzlich in Italien aufgehalten hat, infiziert sei. Der 35-jährige habe eine "leichte Krankheit" mit erkältungsähnlichen Symptomen und sei stabil. Ein weiterer Mann ist in Sinaloa betroffen. Dies teilte der Gouverneur des Bundesstaates, Quirino Ordaz, mit.

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