Warum Venezuela sich über einen Stein aus Deutschland freut

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Ankunft des Kueka-Steins in Venezuela
Ankunft des Kueka-Steins in Venezuela

Caracas. Zu Beginn dieser Woche ist ein massiver Findling, der in Venezuela von einer indigenen Gruppe als Heiligtum verehrt wird, nach Jahrzehnten in Deutschland wieder in dem südamerikanischen Land eingetroffen. Der sogenannte Kueka-Stein erreichte die Gemeinde Santa Cruz de Mapaurí im südvenezolanischen Bundesstaat Bolívar. Er sei nach mehr als 20 Jahren des Kampfes um seine Rückführung wieder der Volksgruppe der Pemones zurückgegeben worden, so Kultusminister Ernesto Villegas. Die Anwohner hätten zur Ankunft des Felsens eine religiöse Zeremonie abgehalten.

Villegas bezeichnete die Rückführung des Steins inmitten einer Wirtschaftsblockade der USA und angesichts der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie als einen "heldenhaften Akt" Venezuelas und insbesondere "unserer indigenen Völker". Die Rückführung des Artefakts sei wichtig gewesen, "um unseren Geist und unsere nationale Identität zu stärken und zu nähren, die ebenso wichtig und notwendig sind wie die sozialen Rechte".

Nach der Rückgabe des Steins hatte das Auswärtige Amt Anfang des Jahres direkte Verhandlungen mit der Regierung von Präsident Nicolás Maduro in Venezuela bestätigt. Der 30-Tonnen-Felsen war im Januar überraschend aus dem Berliner Tiergarten abtransportiert worden. Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza twitterte eine Reihe von Fotos, die in dem südamerikanischen Land von der Presse breit aufgegriffen wurden.

Der sogenannte Kueka-Stein, der für die Pemón-Indigenen als heilig gilt, war 1998 vom deutschen Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld aus dem venezolanischen Canaima-Nationalpark nach Berlin geholt worden. Seitdem ist er Teil des Global-Stone-Projekts im Berliner Tiergarten, in dem Steine aus den fünf Kontinenten ausgestellt werden. Die venezolanische Regierung forderte seit mehreren Jahren die Rückgabe des Steins, der aus ihrer Sicht illegal aus Venezuela ausgeführt wurde. Auch Angehörige der Pemón haben wiederholt für die Rückgabe demonstriert.

"Die Bundesregierung, vertreten durch das Auswärtige Amt, hat den Kueka-Stein der Bolivarischen Republik Venezuela zurückgeschenkt", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Das deutsche Außenamt sei "kontinuierlich im Austausch mit der Botschaft der Bolivarischen Republik Venezuela. Dabei war die Rückschenkung des Kueka-Steins ein häufiges Thema".

Villegas dankte nun der Bundesregierung für ihren Einsatz "für die kulturellen Rechte des venezolanischen Volkes".

Man könne angesichts der gigantischen Probleme in Venezuela, den Sanktionen und Drohungen, der Wirtschaftskrise, der Korruption, der Corona-Krise, die Rückkehr des Steines für ein unbedeutendes Detail halten, schrieb der Linken-Abgeordnete Andrej Hunko, der die Pemones vor einem Jahr besucht hatte. "Ich finde aber, dass es ein wichtiges Symbol ist – auch, um den Menschen, die seit 20 Jahren für die Repatriierung des Kueka-Stein kämpfen, ein Stück weit die Würde zurückzugeben", so Hunko. Diese Würde sei den Indigenen seinerzeit mit dem kolonialen Gestus genommen worden, als der Stein ohne Rücksprache mit der ansässige Bevölkerung entnommen wurde.

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