Feministinnen in Chile: "Wir haben keine Ministerin"

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Am 9. Juni ernannte Präsident Piñera Mónica Zalaquett zur Ministerin für Frauen und Gleichberechtigung der Geschlechter in Chile
Am 9. Juni ernannte Präsident Piñera Mónica Zalaquett zur Ministerin für Frauen und Gleichberechtigung der Geschlechter in Chile

Santiago de Chile. Feministische Organisationen in Chile haben die Ernennung von Mónica Zalaquett zur Ministerin für Frauen und Gleichberechtigung der Geschlechter kritisiert. Zalaquett hat die Nachfolge von Macarena Santelices angetreten, die nach massiver Kritik am 9. Juni nach nur 34 Tagen im Amt zurücktreten musste. Zalaquett ist wie Santelices Mitglied der rechtskonservativen Partei Unabhängige Demokratische Union (UDI).

Frauengruppen machen in den sozialen Netzwerken polemische Äußerungen und umstrittene Haltungen der Parlamentarierin öffentlich und fordern die Ersetzung von Zalaquett durch eine Frau, "die qualifiziert für das ist, was wir Frauen auf der Straße fordern".

Mehrere Äußerungen von Zalaquett hatten für heftige Debatten gesorgt. So bezeichnete sie ein elfjähriges Mädchen, das nach einer Vergewaltigung durch ihren Stiefvater ein Kind austrug, als "mutig". Auch ihre Haltung zur Verlängerung der Elternzeit polarisierte: Bei der Abstimmung im Jahr 2010 beschrieb sie diese als "Todesstoß" für die Arbeit von Frauen. Sie lehnt die Adoption durch homosexuelle Paare ebenso ab wie die Ehe für alle.

Zalaquett war für das Casino-Unternehmen Marina del Sol aktiv. Dieses wird von Triangular Integración Estratégica vertreten, einer Lobbygruppe, die von Zalaquett selbst gegründet wurde und derzeit von ihrem Bruder Pablo Zalaquett geführt wird, gegen den wiederum wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt wird.

Die Sprecherin der "Bewegung 8. März" in Concepción, Francisca Rubio erklärte: "Keine von beiden ist uns gut genug. Wir sind eine zielstrebige und starke Bewegung, die viel organisierter ist, als noch vor Jahren. Wir haben klare Forderungen. Und wenn sie uns eine Frau vorsetzen, die nichts mit unseren Ansprüchen oder Idealen gemein hat, dann wird sie niemals den Rückhalt der feministischen Bewegungen haben." Es sei eine Frau ins Amt gekommen, "die die Botschaft der Feministinnen nicht versteht, sondern sie nach wirtschaftlichen Belangen umdeutet", so Rubio.

Die Frauenorganisationen machten zudem ihre Ablehnung gegenüber der amtierenden Regierung von Präsident Sebastián Piñera deutlich: Deren Maßnahmen zielten nur darauf ab, mit der andauernden Corona-Pandemie Geschäfte zu machen. Zugleich würden alle politischen Angelegenheiten verschoben und damit die Geschlechterkrise weiter verschärft. Dies führe zu mehr Fällen von Vergewaltigung, Missbrauch, Gewalt und Femiziden.

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