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Chile: Widerstand gegen Ernennung der Großnichte Pinochets zur Frauenministerin

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Chiles Präsident Piñera mit seiner neuen Ministerin für Frauen und Geschlechtergleichheit, Macarena Santelices. Sie ist die Großnichte des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet
Chiles Präsident Piñera mit seiner neuen Ministerin für Frauen und Geschlechtergleichheit, Macarena Santelices. Sie ist die Großnichte des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet

Santiago. Die Ernennung von Macarena Santelices zur neuen Ministerin für Frauen und Geschlechtergleichheit durch Chiles Präsident Sebastián Piñera hat in den letzten Tagen für viel Kritik gesorgt. Santelices ist eine Großnichte des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet und hat stets das Militärregime verteidigt. Mit der Aussage "Wir können nicht die guten Dinge des Militärregimes verkennen" erschien sie vor einiger Zeit auf der Titelseite der konservativen Zeitung El Mercurio. Als Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International die systematische Verletzung der Menschenrechte bei den Protesten in Chile kritisierten, twitterte Santelices: "Und was ist mit den Menschenrechten von denjenigen, die Frieden wollen? Wie lange verteidigen das Nationale Menschenrechtsinstitut und Amnesty International noch die Zerstörung von Chile?" Santelices ist Mitglied der Partei UDI (Unión Democrática Independiente), in der sich noch weitere Anhänger Pinochets befinden, und sie unterstützt die Kampagne "Rechazo", die sich gegen eine neue Verfassung in Chile richtet.

Zahlreiche feministische Organisationen, Frauengruppen und Künstlerinnen zeigten sich empört und äußerten ihre Ablehnung gegen die Ernennung der neuen Ministerin. #NoTenemosMinistra (Wie haben keine Ministerin) wurde einer der meist genutzten Hashtags auf Twitter in Chile. Die Frauen aus dem Kollektiv LasTesis, deren Performance in den letzten Monaten viral gegangen ist, erklärten, eine Unterstützerin Pinochets zur Frauenministerin zu ernennen, sei eine Beleidigung für alle Frauen.

Außerdem kritisierten die Koordinierung 8. März, das chilenische Netzwerk gegen Frauengewalt, die Assoziation feministischer Anwältinnen und das Observatorium gegen sexuelle Belästigung die Ernennung von Santelices. Über 100 Schriftstellerinnen forderten in einem gemeinsamen Brief bereits ihren Rücktritt: "Zu Zeiten einer Gesundheitskrise, einer kulturellen, wirtschaftlichen und mentalen Krise, in der die Gewalt gegen Frauen alarmierend ansteigt, verspottet die Regierung von Piñera uns erneut und ignoriert die Forderungen der chilenischen Frauen, die wir in den letzten Jahren mit Kraft verteidigt haben und die der Großteil des Landes mit uns teilt."

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