Umweltschutz von der Basis: Goldman-Preis 2020 vergeben

Gensoja in Mexiko, Plastikmüll auf den Bahamas, Erdölförderung im Amazonasgebiet in Ecuador: "Grüner Nobelpreis" geht an drei Aktivistinnen aus Lateinamerika und der Karibik

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Zu den Ausgezeichneten gehört Kristal Ambrose, die auf den Bahamas eine Jugendbewegung gegen den Plastikmüll initiierte
Zu den Ausgezeichneten gehört Kristal Ambrose, die auf den Bahamas eine Jugendbewegung gegen den Plastikmüll initiierte

San Francisco. In einer virtuellen Zeremonie ist der Goldman Environmental Prize an sechs Preisträger:innen ökologischer Graswurzelbewegungen verliehen worden, darunter an drei Umweltaktivistinnen aus Lateinamerika. Für ihren jahrelangen Kampf gegen Plastik, gentechnisch veränderte Sojapflanzen und die Erschließung und Förderung von Erdöl im Amazonas wurden dieses Jahr Kristal Ambrose aus den Bahamas, Leydy Pech aus Mexiko sowie Nemonte Nenquimo aus Ecuador ausgezeichnet.

Kristal Ambrose startete 2013 auf den Bahamas eine Jugendbewegung zum Verbot von Einwegplastiktüten, Plastikstrohhalmen und Plastikbesteck. Ziel war es, Lösungen für das weit verbreitete Problem des Plastikmülls zu entwickeln und insbesondere junge Menschen dafür zu sensibilisieren. Workshops und gemeinsame Müllsammelaktionen an Stränden standen ebenso auf der Agenda des "Bahama Plastic Movements" wie Messungen von Mikroplastik im Wasser und das Sezieren von Fischen. Im Januar 2018 kamen Ambrose und andere Vertreter:innen schließlich mit dem Umweltminister zusammen, um die ökologischen und ökonomischen Konsequenzen des Plastikmülls zu diskutieren. Wenige Monate später kündigte die Regierung ein Verbot von Einwegplastiktüten, Plastikstrohhalmen und -besteck an, welches im Januar 2020 schließlich in Kraft trat.

Leydy Pech kämpfte jahrelang gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Sojapflanzen im südlichen Mexiko durch den Saatgutriesen Monsanto. Nachdem die mexikanische Regierung 2012 die Anpflanzung genehmigte, ohne zuvor die lokalen und indigenen Gemeinden konsultiert zu haben, bereitete Pech gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen, Sojalandwirt:innen und anderen Aktivist:innen eine Klage gegen die Regierung vor. 2015 entschied der zuständige Gerichtshof des Landes, dass die verfassungsmäßig verankerten Rechte der Maya durch die Regierung verletzt wurden. Daraufhin entzogen sieben mexikanische Bundesstaaten Monsanto die Genehmigung.

Nemonte Nenquimo ist eine der Gründerinnen des indigenen Bündnisses Ceibo Aliance und gewählte Repräsentantin der Waorani in der ecuadorianischen Provinz Pastaza. Seit 2018 wehrte sie sich mit juristischen Mitteln gegen das Vorhaben der Regierung, Erdölkonzessionen im Amazonasgebiet für ein Gebiet von 2,8 Millionen Hektar zu verkaufen. So konnte sie eine Gerichtsentscheidung über den Schutz von 202.000 Hektar herbeiführen.

Der Goldman Environmental Prize, auch als "grüner Nobelpreis" bezeichnet, wird seit 1990 jährlich an Umweltaktivist:innen aus Graswurzelbewegungen verliehen. Neben den drei Frauen aus Lateinamerika wurden Chibeze Ezekiel aus Ghana, Lucie Pinson aus Frankreich sowie Paul Sein Twa aus Myanmar ausgezeichnet.

John Goldman, Präsident der Goldman Environmental Foundation, erklärte in seiner Ansprache, dass selbst angesichts der unaufhörlichen Zerstörung unserer natürlichen Welt unzählige Individuen und Gemeinschaften jeden Tag für den Schutz unseres Planeten kämpften. Die Preisträger:innen seien "sechs von diesen Umwelthelden und sie verdienen die Ehre und Anerkennung, welche dieser Preis ihnen anbietet – dafür, dass sie standhaft bleiben, ihr Leben und ihren Lebensunterhalt riskieren und uns mit realen, andauernden ökologischen Prozessen inspirieren".

Lateinamerika ist indes eine der gefährlichsten Regionen für Umweltschützer:innen. So verweist die NGO Global Witness in ihrem Jahresbericht 2020 darauf, dass zwei Drittel aller ermordeten Umweltaktivist:innen aus Lateinamerika kamen, die meisten von ihnen aus Kolumbien, Brasilien, Mexiko und Honduras.

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