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Erstmals Lithiumabbau in Mexiko: NGOs befürchten Zerstörung der Ökosysteme

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Die NGOs kritisieren in ihrem Bericht auch die Auswirkungen des größtenteils spekulativen Marktes mit den Lithium-Abbaukonzessionen
Die NGOs kritisieren in ihrem Bericht auch die Auswirkungen des größtenteils spekulativen Marktes mit den Lithium-Abbaukonzessionen

Mexiko-Stadt. Die britische Bergbaufirma Bacanora Lithium hat mit dem Bau ihrer Anlage im Norden von Mexiko begonnen. Nach eigener Aussage verfügt sie nun über das notwendige Kapital zur Finanzierung des Lithiumabbauprojekts in Sonora. Laut einem für Investoren veröffentlichten Bericht plant das Unternehmen zusammen mit seinem chinesischen Partner Ganfeng – dem weltweit größten Lithiumproduzenten –, im Jahr 2023 die kommerziellen Produktion im Tagebau zu starten.

Das Wirtschaftsministerium gab an, dass im Land bisher noch kein einziges Gramm dieses Metalls produziert wurde. Lithium wird in der Elektromobilität, aber auch in elektronischen Geräten wie Handys verwendet. Im Januar 2020 schrieb die Wirtschaftszeitung El Economista, das Projekt von Bacanora in Sonora verfüge mit geschätzten 243,8 Millionen Tonnen über das weltweit größte Lithiumvorkommen.

Ein aktueller Bericht von Nichtregierungsorganisationen beleuchtet das Bacanora-Projekt und die weiteren Lithiumkonzessionen im Land kritisch. Die von GeoComunes, dem Netzwerk der vom Bergbau Betroffenen (Rema) und Mining Watch Canada erstellte Studie mit dem Titel "Lithium: Der neue Handelsstreit, der durch den falschen grünen Markt angeheizt wird" zeigt auf, dass es in acht Bundesstaaten insgesamt 36 Lithium-Bergbauprojekte gibt, die von zehn Unternehmen kontrolliert werden. Sie halten Konzessionen über 97.000 Hektar Land und wollen 537.000 weitere Hektar unter ihre Kontrolle bekommen. Diese Lithiumprojekte befinden sich in den Bundesstaaten Sonora, Baja California, Zacatecas, Coahuila, Chihuahua, San Luis Potosí, Jalisco und Puebla.

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Die sogenannte "Energiewende" stelle keine signifikante Kursänderung für die von Bergbauprojekten bedrohten Gemeinden dar, warnt die Studie. "Sie müssen sich opfern, um die Welt vor dem Klimawandel zu retten", so der Diskurs der Bergbauunternehmen gegenüber den Gemeinden, kritisierte Kirsten Francescone von Mining Watch Canada. Zudem betonen die NGOs die Auswirkungen des größtenteils spekulativen Marktes mit den Abbaukonzessionen des schnell an Wert gewinnenden Leichtmetalls. Daran beteiligten sich "Junior-Bergbauunternehmen", die Land in Besitz nehmen und unrealistische Erwartungen, Konflikte, Gewalt und Vertreibung in Gemeinden erzeugen, nur um ihre Gewinne an der Toronto Stock Exchange zu erzielen.

Im Senat wird derzeit ebenfalls über das sogenannte weiße Gold diskutiert. Der Senator Alejandro Armenta Mier, Präsident der Kommission für Finanzen und öffentliche Kredite, reichte Ende 2020 eine Initiative zur Verstaatlichung der Lithiumvorkommen ein, da das Metall "eine strategische Energiequelle der Zukunft" sei und so die Energiesouveränität des Landes beim Übergang von fossilen zu sauberen Brennstoffen sichergestellt werden könne. Die Initiative des Politikers der Morena-Partei, die in beiden Parlamentskammern die Mehrheit stellt, wird momentan in Kommissionen diskutiert.

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