Venezuela: Zusammenstöße im Grenzgebiet halten an, Tausende Menschen flüchten

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In Lagern mutmaßlicher Farc-Ep-Dissidenten in Venezuela aufgefundene Waffen und Uniformen
In Lagern mutmaßlicher Farc-Ep-Dissidenten in Venezuela aufgefundene Waffen und Uniformen

Caracas/Bogotá. Aufgrund der Gefechte zwischen der venezolanischen Armee und mutmaßlichen Dissidentengruppen der Farc-EP sind Tausende Venezolaner:innen nach Kolumbien geflüchtet. Während der Auseinandersetzungen im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Venezuela, die seit über einer Woche unvermindert anhalten, soll es auch zu Menschenrechtsverletzungen von Seiten des venezolanischen Militärs gegen die Zivilbevölkerung gekommen sein.

Am 22. März griff die Luftwaffe der Fuerzas Armadas Nacionales Bolivarianas (FANB) Lager von bewaffneten Gruppen an. Bei Gefechten starben zwei venezolanische Soldaten, zahlreiche weitere wurden verletzt. 32 Personen, die dissidentischen Organisationen der Farc-EP angehören sollen, wurden festgenommen. Am Tag darauf wurde ein Militärposten der FANB mit Sprengstoff attackiert.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat angekündigt, die "Operation Bolivarischer Schutzschild" gegen die an der Grenze operierenden Gruppen "mit Null-Toleranz" fortzuführen.

Laut venezolanischer Regierung gehen die irregulären bewaffneten Gruppen gegen die Zivilbevölkerung vor und greifen Einrichtungen der Elektrizitätsversorgung, der Steuerbehörde und der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA an. Sie setzten auch "terroristische Methoden wie das Legen von Antipersonenminen ein". Verteidigungsminister Vladimir Padrino López bekräftigte, dass jede gewalttätige bewaffnete Gruppierung, die Angst in der Bevölkerung verbreite, Destabilisierung erzeuge und venezolanisches Territorium für Zwecke des Drogenhandels nutze, eine entsprechende Antwort der Streitkräfte erhält.

Mindestens 3.200 Menschen sind inzwischen vor der Gewalt nach Kolumbien geflohen. Die kolumbianische Ombdusstelle hat berichtet, dass am 23. März allein in Arauquita 600 Menschen aus den Grenzstädten aufgenommen wurden.

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Venezuelas Generalstaatsanwaltschaft ermittelt indessen gegen Mitglieder der Streitkräfte, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Sie sollen Gewaltakte und Plünderungen gegen die eigene Bevölkerung begangen haben.

Die US-amerikanische, international tätige Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ist zu dem Schluss gekommen, dass bewaffnete Gruppen die Zivilbevölkerung in den Grenzgebieten im kolumbianischen Departamento Arauca und im venezolanischen Bundesstaat Apure durch Drohungen, Entführungen, Zwangsrekrutierung Minderjähriger, Zwangsarbeit und Morde kontrollieren. Rechtsanwältin Rocio San Miguel von der venezolanischen Beobachtungsstelle für Sicherheit und Verteidigung hat letzte Woche berichtet, dass es zu einem Anstieg der Mordzahlen in den sechs Bundesstaaten an der Grenze zu Kolumbien gekommen ist. Es soll vier Morde pro Tag geben und jeden Tag ein bis zwei Konfrontationen mit den FANB.

Verteidigungsminister Padrino López hat die kolumbianische Regierung und den US-Geheimdienst CIA beschuldigt, "ausländische Kämpfer" in Venezuela zu unterstützen und zu fördern. Die Regierung Maduro hatte bereits zuvor Kolumbien beschuldigt, die Kontrolle der Grenzregion aufgegeben zu haben und die Aktionen der Farc-Dissidenten stillschweigend hinzunehmen.

Die Regierung von Präsident Iván Duque beschuldigt ihrerseits Maduro, die ELN-Guerilla und Dissidentengruppen der Farc-EP auf seinem Territorium zu beherbergen und zu schützen, was Caracas bestreitet.

Kolumbien hat am Montag 2.000 Soldaten an die Grenze zu Venezuela verlegt. Sie sollen "die Sicherheit der Geflüchteten garantieren" und "natürlich auch überprüfen, dass sich keine Mitglieder bewaffneter Gruppen unter sie gemischt haben", sagte der kommandierende Genral Mauricio José Zabala.

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