Cauca in Kolumbien unter Beschuss: Farc-Splittergruppe greift erneut an

Mehrstündige Offensive auf Sicherheitskräfte. Tote und Verletzte. Entführungen von indigenen Aktivisten im Vorfeld. Gemeinden in Cauca in "extremer Gefahr"

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Die Angriffe fanden im Nordwesten des Departamentos Cauca statt
Die Angriffe fanden im Nordwesten des Departamentos Cauca statt

Popayán. Am 14. September haben Angriffe von Ex-Farc-Splittergruppen unter Iván Mordisco im Departamento Cauca das Leben eines Polizisten und eines Zivilisten gefordert. Die bewaffnete Gruppe griff Berichten zufolge Sicherheitskräfte in sechs Gemeinden der Region an. Die Zivilbevölkerung musste sich in ihren Häusern in Sicherheit bringen.

Die heftigsten Auseinandersetzungen ereigneten sich im Dorf El Carmelo in der Gemeinde Cajibío im Zentrum des Departamentos. Die Angriffe mit Gewehrsalven und Sprengstoff auf eine Polizeistation dauerten mehrere Stunden und forderten das Leben eines Streifenpolizisten aus Bogotá. Neben der Polizeiwache wurde der benachbarte Gemeindebezirk schwer beschädigt. Als Reaktion entsandte das Militär Truppen der Dritten Division der Armee sowie die Luftwaffe in das Gebiet.

Der Gouverneur des Cauca, Jorge Octavio Guzmán Gutiérrez, begrüßte die oberste Militärpräsenz: Der Cauca sei "historisch gesehen ein Epizentrum des Konflikts, und die Ruhe seiner Bewohner:innen ist ein kostbares Gut, das wiederholt verletzt wird".

In den Gemeinden Silvia, Toribío, Caldono, Miranda, Caloto und Corinto kam es ebenfalls zu Angriffen auf staatliche Sicherheitskräfte. In Corinto erlag ein Zivilist seinen Verletzungen, nachdem er von einer Kugel getroffen worden war. Darüber hinaus wurden auf der strategisch wichtigen Verkehrsverbindung der Panamericana zwischen den Städten Popayán und Cali sowie auf einer Landstraße Sprengstoffzylinder mit Logos der illegalen bewaffneten Farc-Splittergruppe entdeckt. Angesichts der Explosionsgefahr sperrten die lokalen Behörden den Verkehr.

Bereits Tage zuvor waren Mitglieder indigener Gemeinden in ländlichen Regionen entführt worden. Lokale indigene Organisationen machten in einem Fall die Farc-Einheit Dagoberto Ramos dafür verantwortlich. Die indigene, unbewaffnete Selbstschutzstruktur Guardia Indígena konnte in beiden Fällen die Entführten befreien und in Sicherheit bringen.

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Die indigene Senatorin Aida Quilcué beklagte, dass die Guardia der ständigen Verfolgung und Bedrohung durch illegale Gruppen ausgesetzt sei. "Aktivisten und Mitglieder der Guardia Indígena werden ermordet, weil sie ihre Gemeinden vor Entführungen und Zwangsrekrutierungen schützen", sagte sie. Der regionale Zusammenschluss indigener Organisationen von Cauca (Consejo Regional Indígena del Cauca, Cric) verurteilte die Tat in einer Pressemitteilung: "Angriffe auf diejenigen, die sich für den Schutz des Lebens einsetzen, stellen einen direkten Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar und spiegeln die extreme Gefahr wider, der Gemeinden im Cauca ausgesetzt sind."

Die Farc-Dissident:innen werden vom Cric als Narco-Terrorist:innen bezeichnet. "Diese Strukturen stehen nicht für politische Ideale oder soziale Forderungen, sondern sind Kriegsmaschinen, die sich durch Kokain und kriminelle Geschäfte finanzieren. Ihre Aktionen sind ein Affront gegen das Leben selbst", legte der Cric gestern in einer Pressemitteilung nach. "Die militärische Offensive muss von einer sozialen Offensive begleitet werden: Bildung, Gesundheit, produktive Projekte, Garantien, damit junge Menschen den Griff zur Waffe nicht als einzige Option sehen", so die Forderung der Indígena-Organisation gegenüber dem Staat.

Präsident Gustavo Petro war gemeinsam mit einigen Minister:innen am 11. September in den Cauca gereist, um den "Territorialpakt Cauca" zu unterzeichnen. In Anwesenheit des Gouverneurs und 42 Bürgermeister:innen des Departamentos versprach die Regierung Investitionen in Höhe von 27,6 Millionen Pesos (ungefähr sechs Millionen Euro). Das Geld soll für 15 Großprojekte und mehr als 200 Initiativen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Straßen, Trinkwasser, Energiewende, produktive Entwicklung und Versöhnung zur Verfügung stehen. Der Pakt sei ein konkretes Versprechen, die sozialen und infrastrukturellen Ungleichheiten des Departamentos zu verringern. Skeptiker:innen fordern die tatsächliche Umsetzung der Projekte. In der Vergangenheit sei es zu häufig zu leeren Versprechungen gekommen.

Der Anbau von Pflanzen zur Drogenproduktion (Koka und Schlafmohn) sowie der illegale Bergbau machen das Departamento attraktiv für verschiedene bewaffnete Gruppen. Außerdem stellen die Transportrouten einen strategischen Zugang zum Pazifik dar, über den illegale Waren weitertransportiert werden können. Aus diesem Grund kommt es im Cauca immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen (amerika21 berichtete).