Mexiko unter Druck: Migration erreicht neuen Höhepunkt

Immer mehr Menschen kommen in Mexiko an oder durchqueren das Land auf ihrem Weg in die USA. Wiederaufnahme des Programms "Quédate en México" (Bleib in Mexiko) soll helfen

Mexiko-Stadt et al. Nach offiziellen Angaben sind bei den mexikanischen Behörden dieses Jahr mehr als 120.000 Asylanträge eingegangen und damit so viele wie nie zuvor. Bis Oktober sollen außerdem mehr als 228.000 Personen ohne entsprechende Papiere durch Mexiko gereist sein. Die Migrationsströme reißen nicht ab und Herausforderungen ergeben sich im Umgang mit der Situation in mehrerlei Hinsicht.

Während im Norden Mexikos Herbergen für Migranten überfüllt sind, haben sich nach Wiederaufnahme des US-amerikanischen Programms zur Regulation von Migration erneut Menschen an die Grenze zur USA aufgemacht. Andere fordern in Mexiko-Stadt den Erhalt ihrer von den mexikanischen Behörden zugesicherten Papiere zur Legalisierung ihres Aufenthalts ein. Auch im Süden kommt trotz eines Unfalls Anfang Dezember, bei dem 56 Migranten ums Leben kamen, die Migrationsbewegung nicht zum Stillstand. Eine neue Karawane, die aus dem südlich gelegenen Chiapas an die Nordgrenze Mexikos ziehen will, kündigte sich an. Im selben Bundesstaat erfolgte vor kurzem die Festnahme von 114 Migranten.

In nördlichen Grenzstädten wie Tijuana sind die Herbergen für die Zugewanderten bereits jetzt ausgelastet. Seit Beginn der Pandemie arbeiteten diese Einrichtungen mit geringerer Kapazität, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. In Anbetracht der Wiederaufnahme des Programms "Quédate en México" (Bleib in Mexiko) und der bereits prekären Situation in besagten Unterkünften müsste Mexiko dringlich Platz schaffen, so der Leiter einer solchen in Tijuana. Frühere Erfahrungen zeigten, dass viele Menschen, die keinen Platz in Herbergen erhielten, sich in einer besonders vulnerablen Situation wiederfanden. Sie waren Unsicherheit und Übergriffen schutzlos ausgesetzt. "Quédate en México" verursachte bereits eine neue Welle von überwiegend aus Haiti stammender Migration. Hunderte Menschen machten sich in nördliche Grenzstädte wie Tijuana und Mexicali auf, da sie in der Reaktivierung des Programms irrtümlicherweise ihre Chance zum Grenzübertritt in die USA sehen.

Mit der Reaktivierung von "Quédate en México", dessen Grundlage ein bilaterales Abkommen zwischen der USA und Mexiko ist, können Migranten, welche die Grenze zur USA überwunden haben, zurück nach Mexiko gebracht werden. Dort soll ihr Asylantrag abschließend überprüft werden.

In der mexikanischen Hauptstadt beschwerten sich indes Teile einer Migrantenkarawane, dass Mexiko der Vereinbarung von voriger Woche zur Regularisierung von mehr als 500 Personen (amerika21 berichtete) nicht nachkomme und das Verfahren zur Erteilung humanitärer Visa und Daueraufenthaltsgenehmigungen zu lange dauern würde. 350 Migranten trafen vergangenen Montag beim Nationalen Institut für Migration (Instituto Nacional de Migración, INM) ein, um ihre Beschwerden zu artikulieren.

Die Organisation einer weiteren Karawane aus dem Süden steht möglicherweise bereits bevor. Während laut mexikanischen Behörden 20.000 Personen aus Haiti nach mehreren Wochen Ausharren unter unmenschlichen Bedingungen in Tapachula, Chiapas, in verschiedene Teile des Landes gebracht worden sind, verbleibt eine Gruppe von 500 Personen hingegen dort. Diese sollen überwiegend aus Venezuela, Kuba, der Dominikanischen Republik, Kolumbien und anderen Regionen stammen und warten weiter auf ihre Papiere vom INM. Sie leben in improvisierten kleinen Lagern. Angesichts der Ungewissheit, mit der sie konfrontiert sind, kündigten sie an, eine neue Karawane zu organisieren. Laut offiziellen Angaben haben seit September bis in die letzten Tage mehr als 100.000 Migranten Tapachula verlassen.

Der südliche Bundesstaat Chiapas bleibt Hauptzugang für Migranten ohne Papiere. Vergangenen Montag teilten mexikanische Behörden mit, dass 114 Menschen auf der Straße zwischen Tapachula und Huehuetán festgenommen wurden. Unter diesen befanden sich auch mehrere Minderjährige. Während sie unter die Vormundschaft des Systems für integrale Entwicklung der Familie (Sistema para Desarrollo Integral de la Familia) gestellt wurden, brachte man laut Angaben des INM die Erwachsenen zum Sitz der Migrationsbehörde.

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