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US-Kongress ordnet Untersuchung des Mordes an Haitis Präsident Moïse an

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Haitis Ex-Präsident Moïse: Nach wie vor gibt es viele Fragen zum Motiv für den Mord
Haitis Ex-Präsident Moïse: Nach wie vor gibt es viele Fragen zum Motiv für den Mord

Washington. Der US-Kongress hat eine Untersuchung des Außenministeriums zur Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse im Juli 2021 angeordnet. Dies berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP.

Der Senat des Zweikammer-Parlaments beschloss demnach am vergangenen Donnerstag einstimmig, dass innerhalb von 180 Tagen ein Bericht mit einer "detaillierten Beschreibung" der Umstände der Ermordung von Moïse vorzulegen ist. Zuvor hatte das Repräsentantenhaus bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Das State Department soll auch untersuchen, ob es eine Einmischung seitens der USA in die offiziellen Ermittlungen gegeben hat und ob einer der für das Verbrechen Verantwortlichen für die US-Regierung gearbeitet hat. Der Bericht soll zudem über die Menschenrechtslage auf Haiti und die Verwendung der Hilfsgelder seit dem Erdbeben 2010 informieren.

Seit Anfang Januar steht ein ehemaliger kolumbianischer Militäroffizier in Miami, USA, im Fall Moïse vor Gericht. Mario Antonio Palacios wird beschuldigt, "an einer Verschwörung zur Entführung oder Ermordung des haitianischen Präsidenten teilgenommen zu haben", informierte das US-Justizministerium. Palacios wurde demnach kürzlich während eines Zwischenstopps in Panama festgenommen, nachdem er von Jamaika nach Kolumbien abgeschoben worden war. Er habe sich bereit erklärt, in die USA zu reisen, die ihn per Interpol zur Fahndung ausgeschrieben hatten.

Nach Erkenntnissen der haitianischen Justiz soll er einer der 26 Söldner aus Kolumbien sein, die an dem Anschlag beteiligt waren. 18 kolumbianische Staatsbürger sitzen derzeit in Haiti in Haft, drei weitere wurden von den Sicherheitskräften getötet.

Die haitianische Polizei beschuldigt auch mindestens sechs US-Bürger, an dem Komplott beteiligt gewesen zu sein.

Nach wie vor sind die Motive für den Mord an Moïse nicht geklärt. Laut der kolumbianischen Polizei sollen die Festgenommenen angeben haben, sie wollten Moïse entführen und ihn der US-Drogenbehörde DEA übergeben.

Neueste Informationen der New York Times haben indes den Verdacht verstärkt, dass der heutige Premierminister Ariel Henry in den Mord verwickelt sein könnte (amerika21 berichtete).

Die jüngste Festnahme im Fall Moise ereignete sich am vergangenen Samstag: Auf Jamaika wurde der ehemalige Senator John Joel Joseph gefasst. Gegen ihn liegt ein Haftbefehl der haitianischen Behörden wegen Mordes, versuchten Mordes und bewaffneten Raubes vor. Er soll einer der drei Hauptverdächtigen sein, wie Jamaica Observer berichtet.

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