General der Streitkräfte in Kolumbien gibt Allianz mit Drogenhändlern zu

Audios des Geständnisses vorhanden. Enthüllung bestätigt Aussagen von Basisorganisationen im Cauca. Verhaltensmuster der Armee erkennbar

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Nach seinem Einsatz bei der 29. Brigade wurde Herrera zum Generalmajor befördert
Nach seinem Einsatz bei der 29. Brigade wurde Herrera zum Generalmajor befördert

Bogotá. Der General der kolumbianischen Streitkräfte, Jorge Hernando Herrera Díaz, hat 2019 in einem Meeting mit Befehlshabern der 29. Armeebrigade Übereinkünfte mit der Drogenbande Los Pocillos eingestanden. Die Zusammenarbeit sei laut Herrera eine Strategie, die Farc-Dissidenten unter dem Kommandanten Gentil Duarte im Departamento Cauca zu bekämpfen.

Das Geständnis haben die unabhängigen Medien Cambio und Noticias Uno enthüllt. Nach Angaben von Cambio machen Los Pocillos der Gruppe von Gentil Duarte die Zone um den Fluss Micay im Norden des Cauca streitig. Es gehe dabei um einen Korridor des Drogenexports, durch den 150 Tonnen Kokain jährlich transportiert würden. Dies macht laut Cambio 15 Prozent des gesamten Kokain-Konsums weltweit aus.

Das Gespräch zwischen Herrera und seinen Untergebenen fand im Juli 2019 im Führungssaal der 29. Armeebrigade statt. Cambio hat zwei Abschnitte der Unterhaltung veröffentlicht. Der General nennt dabei einige Chefs von Los Pocillos und erzählt: "Die Typen machen mit dem Drogenhandel weiter, sie begehen weiterhin Verbrechen. Ich treffe mich mit ihnen. Sie kommen hierher und sprechen mit mir."

Tatsächlich zirkulierten im Cauca schon lange Gerüchte über die Unterstützung des Militärs für die kriminellen Banden der Zone. Im November 2019 machten die Kleinbauern mobil, um die paramilitärische Kooperation anzuprangern. Sie forderten dabei den Rückzug der militärischen Truppen aus den Gemeinden Argelia und El Tambo.

In den Mitschnitten ist ebenso zu hören, wie der General den lokalen Verband der Kleinbauern von Argelia (Asociación Campesina de Trabajadores de Argelia, Ascamta) als Anstifterin des Drogenhandels in der Region stigmatisiert. "Und wer steuert das Ganze? Die Vorsitzende der Bürgervertretungen aller Landbezirke von Ascamta." Herrera unterrichtet die Militäroffiziere: "Sie sind diejenigen, die von den Drogenhändlern Geld kassieren." Die Kartelle, mit denen Ascamta angeblich Geschäfte macht, würden aus dem Norden des Departamento Valle und Cali kommen. "So ist der Scheißkrieg", flucht der General.

Mehrere Ascamta-Mitglieder sind seit der Unterzeichnung des Friedensvertrags Ende 2016 bedroht, vertrieben und ermordet worden.

In Argelia gibt es 11.400 Familien von Kokabauern, die bei dem staatlichen Programm zum freiwilligen Ausrottung der Kokapflanzen und deren Ersatz durch legale Produkte angemeldet sind. Das Substitutionsprogramm ist Teil des Friedensvertrags, wird aber von der Regierung des Präsidenten Iván Duque kaum umgesetzt.

Ascamta setzt sich für die Umsetzung des Abkommens ein. "Von Anfang an wurde unsere Organisation stigmatisiert. Der Staat hat uns stigmatisiert, auch die Politiker, die bewaffneten Gruppen, einfach alle. Wir sind schon daran gewöhnt", postete der Kleinbauernverband im Dezember 2021.

Die Anschuldigungen des Generals gegen Ascamta erinnern an die Drohungen der paramilitärischen Farc-Dissidentengruppe "Frente 28" gegen den Verband der Bürgervertretungen der Landbezirke "Asojuntas" im östlichen Departamento Arauca. Diese erklärte im Januar Asojuntas zum militärischen Ziel: "All diese Scheiße gilt es zu töten", so der Chef der "Frente 28" per WhatsApp. Angehörige von Menschenrechtsorganisationen vermuten eine Allianz zwischen der Armee und dieser Gruppe gegen die ELN-Guerilla und die lokalen sozialen Bewegungen.

Ähnlich wie der General Herrera hatte General Luis Villegas Muñoz im Jahr 2019 bei einem militärischen Treffen zu der Region Catatumbo für die Zusammenarbeit mit kriminellen Gruppen plädiert: "Wenn wir uns mit den 'Pelusos' verbünden müssen, dann tun wir es. Wir haben mit ihnen schon gesprochen, um die ELN zu bekämpfen."

Die Aussagen von General Herrera waren bis heute unbekannt. Nach seinem Einsatz bei der 29. Brigade der Armee wurde er zum Generalmajor und Befehlshaber der sechsten Division der Armee befördert.

Als Herrera von Cambio nach seiner Version über seine Aussagen gefragt wurde, stritt er jegliche Verbindungen mit der Drogenbande Los Pocillos ab. Alles sei ein Missverständnis gewesen, sagte er.

Aktualisierung 15. Februar: Nach den Enthüllungen von Cambio und Nocias Uno hat die Armee General Herrera von seinem Posten als Kommandant der 6. Division abgesetzt. Außerdem hat der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General  Eduardo Enrique Zapateiro, nach der Verkündung der Absetzung entschieden, Herrera aus der Armee zu entlassen, so Cambio.

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