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Kurz vor den Wahlen in Kolumbien: USA machen geostrategische Vorgabe

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Verteidigungsminister von Kolumbien im Pentagon empfangen
Verteidigungsminister von Kolumbien im Pentagon empfangen

Washington/Bogotá. US-Präsident Joe Biden hat Kolumbien offiziell zum "wichtigen Nicht-Nato-Verbündeten der USA" ernannt. Mit der Unterzeichnung eines Memorandums legte Biden wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien geostrategische Linien für das südamerikanische Land vor, das laut Vorhersagen vor einem grundlegenden politischen Wandel stehen könnte.

Die vor der Abwahl stehende Regierung von Präsident Iván Duque hat angekündigt, militärisches Personal in ein nicht näher genanntes Nato-Nachbarland der Ukraine zu entsenden, um das ukrainische Militär in Minenräumung auszubilden.

Die Hochstufung Kolumbiens hatte einen Vorlauf, der mit dem Besuch Duques in Washington am 10. März mit einer diesbezüglichen Absichtserklärung begann. Danach teilte Biden dem US-Kongress protokollarisch seine Pläne mit, der 30 Tage Zeit hatte, sich dazu zu äußern.

Die Einstufung Kolumbiens als wichtiger Nicht-Nato-Verbündeter hat eine erhebliche Bedeutung und steht durch den Ukraine-Krieg in einem ganz besonderen Kontext. Die Vereinbarung enthält keine Klausel zur gegenseitigen Verteidigung, wie dies bei den Mitgliedern der Nato der Fall ist, sie bietet jedoch eine Reihe von militärischen und finanziellen Vorteilen.

Dazu gehören die Teilnahme an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen des Verteidigungsministeriums sowie Zugang zu Krediten aus dem US-Finanzsystem für den Kauf oder das Leasing von Militärmaterial. Die Kooperation bei Antiterrorprogrammen, die vorrangige Lieferung von überschüssigen US-Militärgütern und die gegenseitige Ausbildung sind weitere Posten in der Allianz.

Duque reagierte auf den Schritt Washingtons auf seinem Twitter-Account: "Wir begrüßen das Memorandum von Präsident Joe Biden, das Kolumbien offiziell zu einem strategischen Nicht-Nato-Verbündeten erklärt. Eine Entscheidung, die die Qualität unserer bilateralen Beziehungen bekräftigt".

Die Ankündigung, Militärpersonal in den Ukraine-Krieg zu entsenden, erfolgte, nachdem US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinen kolumbianischen Amtskollegen Diego Molano eingeladen hatte, der sogenannten Verteidigungskontaktgruppe für die Ukraine (Ukraine Defense Contact Group) beizutreten.

"Kolumbien hat sich immer für die Werte der Freiheit und der Menschenrechte eingesetzt und leistet in diesem Fall einen konkreten Beitrag als Mitglied und globales Partnerland der Nato", erklärte Molano dazu.

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