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Nach Dammbruch in Brasilien: Hohe Schwermetallwerte bei Anwohner:innen nachgewiesen

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Am 25. Januar 2019 brach der Damm des Rückhaltebeckens der Vale-Mine
Am 25. Januar 2019 brach der Damm des Rückhaltebeckens der Vale-Mine

Brumadinho. Die Oswaldo-Cruz-Stiftung (Fiocruz) hat gemeinsam mit der Bundes-Universität von Rio de Janeiro im Umfeld des Dammbruchs der Eisenerzmine Córrego do Feijão unter Bewohner:innen Blut- und Urinproben untersucht. Die Daten wurden in vier Regionen der näheren Umgebung von Brumadinho erhoben, wo am 25. Januar 2019 der Damm des Rückhaltebeckens einer Vale-Mine gebrochen war und 270 Menschen in den Tod riss.

Die Studie ergab, dass die Bevölkerung der Gemeinde Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais unter Schwermetallkonzentrationen im Körper leidet, die über dem zulässigen Wert liegen. Auch die Zahl der Atemwegs- und psychischen Erkrankungen ist hoch.

Unter den 3.297 untersuchten Personen waren 217 Kinder, 275 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren und 2.805 Erwachsene über 18 Jahren.

50,6 Prozent der Kinder im Alter von null bis sechs Jahren wiesen laut der Studie Urinproben mit mindestens einem Schwermetall über dem Referenzwert auf. Bei 41,9 Prozent der untersuchten Proben wurde Arsen und bei 13 Blei über dem Grenzwert gefunden.

Auch unter den untersuchten Jugendlichen gab es erhöhte Schwermetallkonzentrationen in Urin und Blut. Demnach wiesen 28 Prozent der Untersuchten mehr Arsen im Urin auf als der zulässige Grenzwert. 52,3 Prozent der Personen dieser Altersgruppe wiesen einen Manganüberschuss im Körper auf, 12,2 Prozent über dem Grenzwert liegende Bleiwerte.

Bei den Erwachsenen ergab sich ein ähnliches Szenario: 33,7 Prozent hatten mehr Arsen und 37 Prozent mehr Mangan im Urin als tolerierbar.

In der Studie wurden auch chronische Krankheiten bei den Anwohner:innen untersucht. Asthma und asthmatische Bronchitis waren die am häufigsten genannten bei Jugendlichen. Bei den Erwachsenen waren es Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel und chronische Rückenprobleme. Was die Kinder anbelangt wurden nach dem Dammbruch z.B. Veränderungen des Atmungssystems und der Haut festgestellt.

"Vor allem in den Gebieten in der Nähe des Schlamms meldet die Bevölkerung viele Anzeichen und Symptome von Atemwegserkrankungen und hat auch einen hohen Anteil an Asthma-Diagnosen", sagt der Gesamtkoordination der Studie, Sérgio Peixoto, von der Fiocruz-Stiftung, die dem brasilianischen Gesundheitsministerium untersteht.

Die Daten zur psychischen Gesundheit der Befragten zeigten zudem, dass bei 22,5 Prozent der untersuchten Erwachsenen eine Depression diagnostiziert wurde. Diese Quote liege über den 10,2 Prozent, die in der nationalen Gesundheitserhebung des brasilianischen Instituts für Geografie und Statistik im Jahr 2019 ermittelt wurden.

Die Diagnose von Angstzuständen oder Schlafproblemen wurde bei 33,4 Prozent der Befragten über 18 Jahren gestellt. Bei den Jugendlichen gaben 10,4 Prozent eine ärztliche Diagnose für Depressionen und 20,1 Prozent für Angstzustände an.

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